EU-Karriere Arbeiten für Europa

Arbeitsmöglichkeiten bei den Institutionen der Europäischen Union gibt es viele: Die Bandbreite reicht vom Forscher bis zur Konferenzdolmetscherin, von der Finanz- bis zur Entwicklungspolitik, vom Europäischen Parlament bis zum Gerichtshof. Doch wie schafft man den Weg in die europäische Zentrale?

Brüssel/Berlin - Das Umfeld ist multikulturell: In den europäischen Institutionen arbeiten Menschen aus mehr als zwei Dutzend Ländern zusammen. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit und sprechen verschiedene Sprachen. "Und doch arbeiten sie gemeinsam für die Bürger Europas", sagt der Sprecher der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, Carsten Lietz. Wer von einer Karriere bei der EU träumt, sollte sich auf dem Laufenden halten: Es werden immer wieder Mitarbeiter gesucht.

Zentrale Anlaufstelle für Bewerber ist das Europäische Amt für Personalauswahl (EPSO), das für die Auswahlverfahren von Bediensteten für die Institutionen und Agenturen der EU verantwortlich ist. Die Verfahren für Beamte werden im Amtsblatt der Europäischen Union angekündigt. Informationen dazu sowie zum Bewerbungsprozess für befristete Stellen sind auf der EPSO-Internetseite zu finden.

Um an einem Auswahlverfahren teilzunehmen, müssen Interessenten online ein Bewerbungsformular ausfüllen und gegebenenfalls zusätzliche Unterlagen einreichen. Bewerber müssen Staatsbürger eines EU-Mitgliedstaates sein sowie gute Kenntnisse in mindestens zwei EU-Amtssprachen vorweisen können. Zusätzlich müssen sie die jeweils genannten Anforderungen in puncto Berufserfahrung und Qualifikationen erfüllen. Auf der EPSO-Webseite wird gewarnt: "Schon das Ausfüllen des Bewerbungsformulars erfordert einen erheblichen Zeitaufwand." Interessenten wird empfohlen, vorher ihre Erfolgschancen anhand eines interaktiven Tests zu prüfen.

Ständig fortbilden

Die Auswahlverfahren für EU-Beamte sind umfangreich. In der Regel umfassen sie laut EPSO Zulassungstests, schriftliche Prüfungen in der Zweit- und Hauptsprache sowie eine mündliche Prüfung. Die Namen der erfolgreichen Bewerber erscheinen in einer sogenannten Reserveliste, aus der die Institutionen ihr Personal nach Bedarf auswählen. Bis zur Aufstellung dieser Liste vergeht im Schnitt ein Jahr, eine Jobgarantie ist der Eintrag nicht. Die Auswahlverfahren werden allerdings neu gestaltet und gestrafft: Ab 2010 sollen Prüfungen ausschlaggebend werden.

Dabei wird laut EPSO die Zeit zwischen Bewerbung und Einstellung auf fünf bis neun Monate verkürzt. Erfolgreiche Bewerber erwartet bei der EU "ein modernes, teamorientiertes und internationales Arbeitsumfeld" sowie viel Eigenverantwortung, wie Lietz erklärt. "Im Verlauf ihrer Karriere bei einer EU-Institution können sie unterschiedlichste Aufgaben wahrnehmen, sie können und müssen sich also ständig fortbilden." Beförderungen richteten sich nach dem Leistungsprinzip. "Auch ein Wechsel von einer Institution zur anderen - etwa vom Europäischen Parlament zur Kommission - ist grundsätzlich möglich." Einsatzmöglichkeiten gebe es nicht nur in Brüssel, sondern in ganz Europa und darüber hinaus.

Frühzeitig vorbereiten

Interessierte können sich auch auf befristete Stellen bewerben. Bedienstete auf Zeit, die für sehr spezialisierte oder zeitlich begrenzte Aufgaben für maximal sechs Jahre eingestellt werden, wählen die Institutionen und Agenturen im Allgemeinen selbst aus. Bei Vertragsbediensteten werden die Ausleseverfahren vom EPSO organisiert.

Als Vertragsbediensteter arbeitet Johannes Schilling seit zwei Jahren im Brüsseler Verbindungsbüro der Europäischen Umweltagentur (EEA), die ihren Sitz in Kopenhagen hat. "Wir arbeiten an der Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und der Politik", erklärt der Politikwissenschaftler. "Ich arbeite viel mit der Kommission und mit dem Parlament." Zu seinen Aufgaben gehört beispielsweise, Briefings für die EU-Parlamentarier aus den Umweltberichten der EEA zu erstellen. "Meine Ansprechpartner kommen aus ganz Europa, und das ist eigentlich das Schöne", sagt der 29-Jährige. Sprachenkenntnisse sind bei seiner Arbeit unverzichtbar: "Hauptsächlich Französisch und Englisch, dann im Parlament hin und wieder auch Deutsch."

Erste Brüsseler Erfahrungen hat er nach dem Studium in Potsdam und Paris während eines fünfmonatigen Praktikums bei der Kommission gesammelt - ein Schritt auf dem Weg zum EU-Job, der sich gelohnt hat: "Nach meinem Praktikum hatte ich ein recht gutes Bild darüber, wie die Institutionen funktionieren", sagt er. Vor seiner Anstellung musste er noch das Auswahlverfahren bestehen. "Man muss sich frühzeitig vorbereiten", rät Schilling.

Amélie Fidric, dpa