Reichster Russe Oligarch will Rohstoffgiganten schmieden

Der globale Rohstoffmarkt gerät in Bewegung: Der russische Milliardär Michail Prochorow hat im SPIEGEL-Interview die Zusammenlegung der Unternehmen Rusal und Norilsk Nickel vorgeschlagen. Auch in Deutschland will der schillernde Oligarch auf Einkaufstour gehen.

Hamburg - Es ist ein Plan, der für viel Selbstbewusstsein spricht: Der russische Milliardär Michail Prochorow hat angekündigt, die Rohstoffkonzerne Rusal und Norilsk Nickel  verschmelzen zu wollen. "Nur so ist es möglich, mit Branchenriesen wie BHP Billiton  oder Rio Tinto  zu konkurrieren", sagte Prochorow im Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Prochorow ist Anteilseigner bei Rusal und ehemaliger Großaktionär von Norilsk Nickel.

Nach Vorstellung Prochorows sollten bei einer solchen Vereinigung alle Großaktionäre jeweils maximal 15 bis 20 Prozent halten und ein unabhängiges Management einsetzen. Der russische Staat würde demnach einen Viereinhalb-Milliarden-Dollar-Kredit an Rusal in eine Beteiligung umwandeln. "Das wäre eine radikal neue Strategie für die russische Wirtschaft", so Prochorow.

Prochorow gilt laut der "Forbes"-Liste mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Milliarden Dollar als Russlands reichster Bürger. Die russische Zeitschrift "Finans" schätzte sein Vermögen sogar auf 14,1 Milliarden Dollar.

Der Milliardär hat in seinen Geschäften vor allem das richtige Timing bewiesen: Bereits vor dem Absturz der Märkte verkaufte er einen Anteil am Rohstoffriesen Norilsk Nickel, wofür er schätzungsweise sieben Milliarden Dollar und eine 14-prozentige Beteiligung am Aluminiumkonzern Rusal bekam. Sein Aufstieg ist eng mit seinem langjährigen Geschäftspartner Wladimir Potanin verbunden, mit dem er 1993 eine Bank gegründet hat. Später stiegen sie bei Norilsk ein und verwandelten den Staatsbetrieb in einen Milliardenkonzern. Vor zwei Jahren kam es allerdings zum Bruch zwischen den Geschäftspartnern.

Im SPIEGEL-Interview kündigte Prochorow auch an, sich in der deutschen Wirtschaft stärker engagieren zu wollen. So sei eine Beteiligung im Energiesektor für ihn vorstellbar. In seine Strategie passten nur Unternehmen, die eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Dollar erreichen könnten. "Die Gelegenheit ist günstig, ausländische Firmen sind jetzt vergleichsweise billig zu habe, auch in Bereichen, die Russen vor der Krise verschlossen blieben, beispielsweise in der Informationstechnologie." Welche Unternehmen er dabei im Visier hat, wollte der Milliardär allerdings nicht sagen.

Prochorow gilt dabei als besonders schillernder Repräsentant des russischen Oligarchentums. Zwar gehört ihm kein englischer Fußballclub wie Roman Abramowitsch. Er sorgt aber als Präsident des russischen Biathlon-Verbandes für internationale Erfolge seines Landes - wenn auch nicht ohne Skandale, wie der jüngste Doping-Vorfall im Team Russland zeigt.

Gleichzeitig ist Prochorow für seine exzessiven Partys bekannt. Im Januar 2007 wurde er zusammen mit 25 weiteren Russen im französischen Nobel-Skiort Courchevel festgenommen: Die Polizei beschuldigte ihn, an einem internationalen Zuhälterring beteiligt zu sein. Angeblich habe er aus Russland Prostituierte einfliegen lassen.

Nach einigen Tagen wurde Prochorow wieder freigelassen. "Irgendwann werde ich herausfinden, wie es dazu gekommen ist", sagte er im SPIEGEL-Interview. Jedenfalls sei der Vorwurf absurd gewesen. "Wir haben eine Party gefeiert, das war alles." Außerdem habe er die Haft als "psychologisch interessant" empfunden, sie habe ihn an die fünf Tage im Karzer erinnert, zu denen er während seines Wehrdienstes zu Sowjetzeiten verdonnert worden sei.

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