manager-lounge Vom Meeting zum Marathon

Sportbegeisterte Manager gibt es viele. Auch die Mitglieder der manager-lounge erleben bei ihren Leibesübungen große Erfolge und kleine Niederlagen. Ständiger Zeitdruck, lange Sitzungen und spätes Essen - da fällt es oft schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden. Die Trainingstipps der Führungskräfte.

Hamburg - Neun von zehn deutschen Managern bezeichnen sich als Sportler. Das ergab eine Studie, die vom manager magazin in Aufrag gegeben wurde. Führungskräfte sind somit deutlich aktiver als der Bevölkerungsdurchschnitt - und das trotz des verbreiteten Zeitmangels. Auch unter den Mitgliedern der manager-lounge treiben 77 Prozent laut einer aktuellen Umfrage regelmäßig Sport, knapp 20 Prozent sind sogar sehr aktiv und geben an, auch auf diesem Gebiet erfolgreich sein zu wollen.

So wie Sabine Neumann von der Weberbank, die im Frühjahr in Hamburg ihren zweiten Marathon absolviert hat: "Die Atmosphäre ist nicht zu schlagen. 900.000 Zuschauer an der Strecke und Volksfeststimmung. Da kann man schon mal Tränen in den Augen bekommen", begeistert sich die Läuferin, die sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen kann. "Laufen, aber auch Rennradfahren und Schwimmen sind eine Kraftquelle für den Beruf. Wir werden dort täglich geistig enorm gefordert, da tut es dem Gehirn auch mal gut, abends abzuschalten und den gesamten Körper mit Sauerstoff zu versorgen".

Auch für Gert Hoepner ist es immer wieder ein gutes Gefühl, sich ausgepowert zu haben. "Trotzdem überwinde ich mich nur selten - wie bekämpft man denn nun seinen inneren Schweinehund?", fragt der Professor der Fachhochschule Aachen. Sabine Neumanns Tipp: "Nehmen Sie das Training genauso wichtig wie jeden beruflichen Termin. Am besten morgens gleich die Sporttasche mitnehmen und vom Büro direkt zum Sport fahren. Dann fängt der Kampf mit dem inneren Schweinehund gar nicht erst an".

Thomas Kippe kennt kaum Motivationsprobleme, denn er hält den sportlichen Ausgleich für absolut notwendig: "Immer wieder bin ich positiv überrascht, wie gut sich das Leben nach einem Zehn-Kilometer-Lauf anfühlt, am liebsten über weichen Waldboden". Der Seniorprojektmanager bei Siemens  rät zur Regelmäßigkeit, denn so werde der Sport als Routine verinnerlicht und die Überwindungsproblematik verringert.

Auch Reinhard Haupt vom Unternehmen Content Management kann bereits auf zwei erfolgreich absolvierte Marathonläufe zurückblicken. Dieses Jahr blieb er in Bonn unter der Marke von vier Stunden. "Sport als Ausgleich gehört für mich unbedingt dazu, insbesondere bei der weit verbreiteten und oft durch den Job fremdbestimmten, relativ ungesunden Lebensweise".

Besonders auf das Laufen schwören auch die Vielreisenden der manager-lounge. Michael Sachs von Nobel Biocare ist beruflich bis zu 160 Tage im Jahr unterwegs. "Mit dem morgendlichen Joggen kann ich fremde Städte auf eine interessante Weise erkunden. Ich sehe mehr als Flughafen, Hotel, Kundengebäude und Restaurants, denn die Laufsachen gehören zu meinem Standardgepäck".

"Kein Jetlag mehr"

Seine sportliche Betätigung sieht Sachs einerseits als Gesundheitserhaltungsdosis für den Körper, andererseits auch als meditativen, ruhenden Ausgleich für den Geist - sowohl beim Joggen als auch beim Golfen. "Doch anders als zu meinen Ruder-Leistungssportzeiten muss ich mir heute keine sportlichen Höchstleistungen mehr beweisen, denn das könnte sogar kontraproduktiv wirken".

Frank Wiemer, für die Benteler AG  von Shanghai aus tätig, bringt es sogar auf 200 Reisetage im Jahr - und auf mehr als 2000 Laufkilometer inklusive ein bis zwei Marathons. "Sport sollte zum Leben dazugehören wie Essen und Schlafen. Ein schwarzer Kaffee und danach eine Stunde laufen - für mich gibt es keinen besseren Start in den Tag". Angenehmer Nebeneffekt für den Manager: "Seitdem ich regelmäßige laufe, habe ich fast keine Probleme mehr mit dem Jetlag".

Mannschaftssport fällt für die meisten Vielreisenden jedoch flach. Das bedauert auch Olaf Hinz von der Beratergruppe HRD. Seit sechs Jahren ist er wieder aktiv und knüpft damit nach einer Pause in den ersten Berufsjahren an seine Sportaktivitäten aus der Jugend an. "Ich laufe regelmäßig, auch mal einen Halbmarathon in einer tollen Stadt, und gehe zum gesundheitsorientierten Krafttraining - also keine dieser Mucki-Buden".

Für Karin Jellen von der Veranstaltungsagentur Lunega sind sportliche Aktivitäten "ein guter Hebel, um Körper, Geist und Seele zu puschen". Wenn man sich ausgepowert und sein Ziel erreicht habe, könne einen doch nichts mehr vom Erfolg abhalten. Sie hat zudem beobachtet, dass eher ehrgeizige, zielorientierte Anführer einen Marathon laufen als gute Teamplayer.

Für Michael Bencak ist das Thema Kondition besonders wichtig: "Man 'sprintet' von Termin zu Termin, manchmal auch über Zeitzonen hinweg. Wer dann nicht auch körperlich fit ist, verliert irgendwann mal die Konzentration. Und das spiegelt sich auch in der Leistung wieder", so der Bayrol-Marketingdirektor.

Die Mitglieder der manager-lounge sind also wahre Sportfreaks. Nur für 20 Prozent der Umfrageteilnehmer spielt Sport eher eine Nebenrolle - meist aus zeitlichen Gründen. Und lediglich drei Prozent halten es mit Winston Churchill und treiben grundsätzlich keinen Sport. Doch auch das muss kein Grund zur Sorge sein, denn der britische Premierminister wurde 90 Jahre alt.

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