Mittwoch, 21. August 2019

Schweizer Uni-Perle Die Zähmung der Bosse

4. Teil: Hitzige Debatte um den Elitebegriff

"Ich bin total froh, dass ich es geschafft habe", sagt Maike Stoffers, die im 4. Semester BWL studiert und zu den wenigen Frauen an der HSG gehört - nur knapp ein Drittel der Studenten ist weiblich. "Das Kontextstudium ist super, und ich habe total nette Leute kennengelernt", sagt die 20-Jährige aus Nordrhein-Westfalen. Die meisten ihrer Freunde sind Deutsche. "Das hat sich einfach so ergeben", sagt sie.

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Auch BWL-Student Fleckner ist viel mit Landsleuten zusammen. "Das liegt in der Natur der Sache", sagt er, denn unter den Vertretern der Studentenschaft seien die Deutschen in der Mehrzahl. Außerdem sei es ganz normal, dass man im Ausland zusammenrücke. Ob er die Schweiz mag? "Klar", sagt Fleckner. "Hier kann man sehr gut leben, und ich fühle mich als Deutscher entgegen vieler Behauptungen auch nicht unwillkommen."

Ladina Eisenhut, Jurastudentin aus der Schweiz, bestätigt das: "Ich glaube nicht, dass hier jemand ein Problem mit den Deutschen hat", sagt die 22-Jährige mit den blondierten Haaren. Sie grinst. "Ich jedenfalls nicht." Ihr Freund, ebenfalls HSGler, ist Deutscher.

Bei einer Diskussion am Abend zum Thema "Heute Student, morgen Elite? Wo entsteht die Spitze der Gesellschaft?" sind dennoch Spannungen zwischen den beiden Nationen zu spüren. Auf dem Podium im verdunkelten Audimax sitzen die Journalistin Julia Friedrichs, die mit ihrem Buch "Gestatten: Elite" bekannt geworden ist, Ehemalige der HSG und Wirtschaftsprofessoren. Mehr als 300 Studenten sind zu der Veranstaltung gekommen.

Es geht nicht nur um die Frage, wie sich Elite definieren lässt, sondern auch darum, ob ein Aufnahmetest nur für Ausländer ungerecht ist. Oder ob die Alpenrepublik zu wenig kluge Köpfe aufbieten kann: Viele Chefpositionen in schweizerischen Firmen sind von Deutschen besetzt. "Man muss sich schon fragen, warum viel mehr Einheimische im ersten Jahr durchfallen als Deutsche", kommentiert eine Studentin aus dem Publikum. Empörtes Geraune schlägt ihr entgegen.

Während der zweistündigen Diskussion prallen die Meinungen hart aufeinander. Vor allem, als es um die Frage geht, warum es an Institutionen wie der HSG fast nur Studenten aus gehobenen Verhältnissen gibt. Die Universität ist staatlich, der Semesterbeitrag beträgt mit rund 770 Euro nur geringfügig mehr als an einer vergleichbaren deutschen Hochschule. "Ich vermute, es ist einfach nur mangelnde Willensbildung in der Unterschicht", sagt ein schweizerischer Student. Eine Kommilitonin schließt sich an: "Was spricht denn dagegen, soziale Herkunft als Auswahlkriterium für Führungsjobs heranzuziehen?" Buhrufe aus dem Publikum.

Nach der Veranstaltung steht Philipp Fleckner am Schnittchen-Büfett im Vorraum des Audimax. "Das ist wirklich nur eine kleine Minderheit, die so eine Einstellung hat", sagt er. Sicher. Aber es braucht auch nur eine Minderheit gieriger Banker, um eine Weltkrise zu entfachen.

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