Sonntag, 17. November 2019

Schweizer Uni-Perle Die Zähmung der Bosse

3. Teil: "Die Sprache ist echt eine Umstellung"

Eine von ihnen ist das International Student Committee (ISC). Seit 1970 organisieren rund zwei Dutzend Komitee-Mitglieder alljährlich das St. Gallen Symposium, zu dem internationale Wirtschaftsgrößen und 200 Studenten aus mehr als 60 Ländern eingeladen werden. "Revival of Political and Economic Boundaries" lautete in diesem Mai das Thema der Veranstaltung, die Weltpresse war da, der Fiat-Erbe John Elkann musste, vor Frühlingsalpenpanorama, die geplante Übernahme des deutschen Autoherstellers Opel erklären.

Moritz Schiebold, 21, war zuständig für die Pressearbeit der Großveranstaltung. "Das gibt es weltweit an kaum einer Universität, dass man so jung in solch eine Position gebracht wird", sagt der schlaksige Hamburger, der im vierten Semester Internationale Beziehungen studiert. "Die Praxiserfahrung kann einem keine Lehrveranstaltung vermitteln." Er steht im Konferenzraum ganz oben unter dem Dach des fünfstöckigen ISC-Hauses. Ein Karton mit Pizzaresten ist auf dem Tisch liegengeblieben, in der Ecke steht ein Klappbett. "Wir haben uns alle voll reingehängt" sagt Schiebold und lacht. "Da sind einige Nächte für draufgegangen."

Die Möglichkeit, beim ISC mitzuarbeiten, war einer der Gründe, warum Schiebold sich für ein Studium an der HSG entschieden hat. "Die Stadt war es jedenfalls nicht. Auch wenn ich St. Gallen mittlerweile sehr gern mag."

"Die Sprache ist echt eine Umstellung"

An der schweizerischen Hochschule ist vieles anders als an deutschen Unis. Oft sind es nur Kleinigkeiten: Das Mensapersonal grüßt stets freundlich und freut sich über Small Talk, wenn auch in schwerverständlichem Schweizerdeutsch. In der Cafeteria gibt es jeden Tag "feines hausgemachtes Birchermüsli", und um neun Uhr morgens macht das Personal die "Znünipause" mit Kaffee und "Gipfeli". "Die Sprache ist echt eine Umstellung", sagt Philipp Fleckner. "Aber auch daran gewöhnt man sich."

Nur nicht an die hohen Preise für Fleisch - damit haben einige der Deutschen männlichen Geschlechts ein Problem. Manch einer rückt nach einem Heimaturlaub in Friedrichshafen oder Wuppertal mit einem Rucksack voller Tiefkühlsteaks und Schweinelenden an. Im Mai beginnt die Grillsaison!

In dem 70.000-Einwohner-Städtchen gibt es ansonsten nicht viel, was die Studenten von der Arbeit abhalten könnte: ein paar nette Kneipen, Skigebiete in unmittelbarer Nähe und für Wassersport den Bodensee.

Viel Ablenkung wäre für die Studenten vor allem im ersten Jahr ohnehin nicht zuträglich. Da wird gnadenlos gesiebt. Rund 30 Prozent müssen wieder nach Hause fahren. "Für die Studenten ist es besser, sie merken früh, ob sie den Anforderungen der HSG gewachsen sind", sagt Professor Bieger.

Deutsche merken es zuweilen schon vor dem Studium - während Schweizer Studenten ohne Aufnahmeprüfung an der HSG beginnen dürfen, müssen alle Ausländer einen Aufnahmetest absolvieren. Jedes Jahr bewerben sich rund 1600 Leute aus anderen Ländern, angenommen werden davon rund 320.

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