Sonntag, 25. August 2019

Schweizer Uni-Perle Die Zähmung der Bosse

2. Teil: "Wir sind doch keine Roboter"

In Biegers Augen hat die HSG "vor Jahren schon innovative Schritte getan": 2001 wurde in St. Gallen mit dem Bachelor und Master auch das sogenannte Kontextstudium eingeführt. Das bedeutet, dass die Studenten ein Viertel ihres Grundstudiums mit fachfremden Inhalten füllen müssen. Die Finanzwissenschaftler müssen also auch Fächer wie Wirtschaftsethik, Geschichte oder Philosophie belegen.

Vor einem Jahr noch störten sich einige Studenten daran. "Es wurde verlangt, dass wir dieses System abschaffen", sagt Bieger. "Einige Studierende, insbesondere im Fachbereich Finanzen, wollten nicht mit Fachfremdem abgelenkt werden." Diese Stimmen seien mittlerweile verstummt.

Auch Peter Ulrich - er lehrt Wirtschaftsethik - sieht einen Wandel bei den Studenten. "Es gab Zeiten, da hatte ich leere Stuhlreihen vor mir, und es schlug mir Häme entgegen", erzählt er. "Jetzt stehen die Studenten Schlange für mein Fach." Er glaubt, dass die kommenden Generationen der Bosse bewusster mit ihrer Verantwortung umgehen werden. "Die Protagonisten der Wirtschaftskrise haben ihre Ausbildung vor 25 Jahren erhalten. Die heutigen Studenten sind anders, weitsichtiger."

"Wir sind doch keine unreflektierten Roboter"

BWL-Student Philipp Fleckner hat daran keinen Zweifel. Der 22-jährige Präsident der Studentenschaft ärgert sich, wenn ihm Leute mit den "typischen Vorurteilen" begegnen. "Wir sind doch keine unreflektierten Roboter." Seit mehr als zwei Jahren engagiert er sich in der Studentenvereinigung. Ein Vollzeitjob, wie er sagt, der ihn wohl ein Semester kosten werde.

Die Dozenten schätzen Fleckners Engagement. "Wir begrüßen es sehr, wenn die Studenten sich mit Projekten einbringen und Verantwortung übernehmen", sagt Prorektor Bieger. Mehr als 90 studentische Vereine und Initiativen gibt es an der HSG.

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