Stanford-Affäre Behörden frieren Vermögen ein

Britische Behörden haben Vermögenswerte von mehr als 100 Millionen Dollar sichergestellt, die offenbar Allen Stanford gehören. Der frühere Finanzmagnat soll Anleger um sieben Milliarden Dollar betrogen haben.

London/Houston - Britische Ermittler erklärten am Dienstag, die Stanford zugerechneten Vermögenswerte in London seien bereits im April auf Wunsch des US-Justizministeriums eingefroren worden. Der Vorgang sei bisher aber nicht offengelegt worden. Stanford wartet derzeit in Houston, Texas, auf seinen Prozess und bemüht sich, bis zur Verhandlung auf Kaution freizukommen.

In Houston wollte ein Bundesrichter am Dienstag über eine mögliche Freilassung Stanfords gegen Kaution entscheiden. Ein Distriktrichter hatte eine Kaution von 500.000 Dollar festgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wehrt sich dagegen. Sie macht besonders hohe Fluchtgefahr geltend: Stanford besitze neben der US-Staatsbürgerschaft auch einen Pass der Karibikinsel Antigua, einen Hauptwohnsitz außerhalb der USA und reiche Freunde in aller Welt. Zudem könne der Financier große Reichtümer im Ausland verborgen haben.

Die Anwälte Stanfords hielten dagegen, ihr Mandant habe guten Grund, sich dem Verfahren in den Vereinigten Staaten zu stellen. Wegen der Beschlagnahme seines gesamten Besitzes sei Stanford derzeit mittellos: "Wenn wir den Fall gewinnen - und das werden wir - wird Stanford viel von dem zurückbekommen, was ihm weggenommen worden ist", sagte Anwalt Dick DeGuerin. "Das ist ein gewaltiger finanzieller Anreiz zu bleiben."

Stanford galt vor seiner Festnahme vor fast zwei Wochen als einer der reichsten Amerikaner mit einem Nettovermögen von mehr als zwei Milliarden Dollar. Ihm und mehreren Mitangeklagten wird vorgeworfen, mit angeblich sicheren Festgeldanlagen bei der Stanford International Bank auf Antigua Anleger um etwa sieben Milliarden Dollar geprellt zu haben. Stanford soll mindestens 1,6 Milliarden Dollar für seinen aufwendigen Lebensstil abgezweigt haben. Dazu gehörten nach Angaben der Ermittler sechs Privatjets, ein Hubschrauber und Anwesen in Miami und auf der Karibikinsel St. Croix, die zu den US-amerikanischen Jungferninseln gehört.

manager-magazin.de mit Material von ap