Dienstag, 22. Oktober 2019

150 Jahre Haft Madoff sitzt - für immer

Im größten Betrugsfall der Wall-Street-Geschichte ist der Finanzjongleur Bernard Madoff zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Richter verhängte die Höchststrafe. Der Verurteilte bat die Opfer seines betrügerischen Handelns erneut um Verzeihung.

New York - Dies teilte das zuständige Bundesgericht in Manhattan am Montag mit. Der geständige 71-Jährige soll Anleger um riesige Summen geprellt haben. Nachgewiesen wurden bislang 13 Milliarden Dollar, möglicherweise beläuft sich der Schaden aber auf bis zu 65 Milliarden. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert, die Verteidigung auf zwölf Jahre plädiert. Madoff hatte sich im März schuldig bekannt, Anleger über Jahre hinweg mit einem gigantischen Schneeballsystem betrogen zu haben.

Madoff bat die Opfer seiner betrügerischen Geschäfte vor Gericht um Verzeihung. Er müsse "bis ans Ende seiner Tage mit diesem Schmerz leben", sagte der 71-Jährige. Er hinterlasse seinen Angehörigen ein schweres Erbe der Schande, sagte Madoff weiter: "Ich bin für eine Menge Kummer und Schmerz verantwortlich." Es tue ihm leid.

Zuvor hatte Madoff still Richter Denny Chin zugehört. Dieser hatte Madoff gewarnt, er könne bis zu 150 Jahre Haft für dessen kriminelle Machenschaften verhängen. Allerdings sei er nicht daran gebunden, sagte Chin: "Ich muss eine Strafe verhängen, die vernünftig ist." Geplant waren auch Auftritte einiger Madoff-Opfer.

Vor dem Gericht warteten zahlreiche Opfer, Schaulustige und ein enormes Medienaufgebot. Madoff kam laut US-Medienberichten begleitet von Beamten in einem dunklen Anzug mit Krawatte und weißem Hemd ins Gericht. Er war zuvor nur wenige Schritte entfernt in einem Gefängnis in Untersuchungshaft untergebracht gewesen.

Laut Anklage soll Madoff spätestens seit den frühen 1990er Jahren Gelder von Anlegern, die er vor allem in der jüdischen Gemeinde der USA einsammelte, nicht etwa in Aktien und Optionen angelegt haben. Vielmehr habe er die Milliarden lediglich auf einem Konto gelagert und Kunden, die Geld abziehen wollten, aus den Mitteln ausgezahlt, die er von neuen Anlegern eingeworben hatte. Über Jahrzehnte soll Madoff auch über Marktschwankungen hinweg seinen Kunden auf diese Weise Renditen im zweistelligen Prozentbereich vorgegaukelt haben. Mit Tausenden gefälschter Kontoauszüge soll Madoff einen Wert der Anlage von insgesamt 65 Milliarden Euro vorgespiegelt haben.

Zu den Geschädigten gehören Prominente wie der Regisseur Steven Spielberg, aber auch Stiftungen wie die des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel sowie Tausende von Privatanlegern, Pensionsfonds, Hedgefonds und wohltätige Einrichtungen. Auch Banken in Europa investierten bei Madoff.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap, afp, reuters

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