Betrugsprozess Allen Stanford weist Vorwürfe zurück

Der mutmaßliche Milliardenbetrüger Allen Stanford könnte auf Kaution freikommen - hat laut seinem Anwalt aber kein Geld. Zu Prozessbeginn in Houston wies der frühere Finanzmagnat alle Vorwürfe zurück, er habe wie Bernard Madoff in New York ein großes Schneeballsystem betrieben.

Houston - Mindestens eine Nacht hatte der texanische Finanzmanager Allen Stanford noch im Gefängnis zu verbringen, nachdem er am Donnerstag alle 21 Anklagepunkte zurückwies, denen zufolge er ein sieben Milliarden Dollar schweres Schneeballsystem betrieben habe.

Bundesrichterin Frances Stacy legte eine Kaution von 500.000 Dollar mit einer Einlage von 100.000 Dollar in bar für Stanfords vorläufige Freilassung fest, setzte die Order aber bis Freitagnachmittag aus, nachdem das US-Justizministerium Widerspruch ankündigte und auf Fluchtgefahr verwies.

Das Justizministerium begründet den Verdacht damit, dass eine Milliarde Dollar der Einlagen in einer antiguanischen Bank von Stanford bislang nicht aufzufinden sind. Die Ermittler hätten entdeckt, dass im Dezember mehr als 100 Millionen Dollar von einem Schweizer Konto, über das Stanford verfügt, abgezogen wurden. Stanford habe zudem Erfahrung darin, blitzschnell ein privates Flugzeug zu nehmen, wenn er es brauche.

Der einstige Milliardär und Sportmäzen ist seit dem 18. Juni in Haft, als er sich im Bundesstaat Virginia der Kriminalpolizei FBI stellte, nachdem eine Grand Jury in Houston ihn wegen Betrugs, Komplotts und Behinderung der Justiz in 21 Punkten angeklagt hatte. "Nicht schuldig, Euer Ehren", sagte der 59-Jährige zum Prozessauftakt am Donnerstag, in Handschellen, Beinfesseln und einem orangefarbenen Gefangenenanzug.

Nach Angaben der US-Börsenaufsicht SEC hat Stanford mit Hilfe von Managern seiner Firma und einem hochrangigen Aufsichtsbeamten des Karibikstaats Antigua und Barbuda über ein Jahrzehnt hinweg ein "riesiges Schneeballsystem" aufgebaut, das vor allem auf Einlagezertifikaten seiner Bank auf Antigua beruhte. Stanford sagt, sein multinationales Unternehmen habe rechtmäßig funktioniert, bis die SEC es "ausgenommen" habe, indem sie privatrechtliche Klagen stellte, die zur Beschlagnahme aller Vermögenswerte führten.

Finanzaufseher von Antigua verhaftet

Der Fall Stanford erinnert an Bernard Madoff, der bereits gestanden hat, ein Pyramidenspiel betrieben zu haben, das Anleger um bis zu 65 Milliarden Dollar gebracht hat. Beide Fälle erschüttern das öffentliche Vertrauen in die Wall Street und die amerikanische Finanzaufsicht.

Stanford, der einst über eine Flotte von sechs Privatflugzeugen, eine Luxusjacht und mehrere Häuser und Schlösser zwischen Houston und der Karibik verfügte, hat nun eine Woche in Gefängnissen in Virginia und Texas verbracht. "Die große Schlacht steht uns noch bevor und ich bin überzeugt, die Welt wird sehen, dass Stanford niemanden betrogen hat", sagte Stanfords Anwalt Dick DeGuerin zu Journalisten vor dem Gericht.

Laut DeGuerin nimmt Stanford Anti-Angst-Medikamente, um mit dem Stress fertig zu werden. "Er besitzt nicht einmal mehr Unterwäsche", sagte DeGuerin. Das Gericht habe seinen gesamten Besitz beschlagnahmt. Der aus Fidschi stammende Golfprofi Vijay Singh habe angeboten, Stanfords Kaution zu hinterlegen, doch das Gericht habe das zurückgewiesen, weil Singh kein US-Bürger ist. Singh hatte einen Sponsoring-Vertrag mit Stanford. Auch, als er in der vergangenen Woche im US-Open-Turnier in New York spielte, trug er das Logo der Stanford Financial Group auf Hemd und Mütze.

Der frühere Aufsichtschef von Antigua, Leroy King, wurde am Donnerstag auf der Karibikinsel verhaftet, nachdem die US-Regierung einen Auslieferungsantrag gestellt hatte. Einer weiteren Zivilklage der SEC zufolge ließ sich King von Stanford in Form von 100.000 Dollar Bargeld, Sporttickets und Nutzungsrechten für Privatflieger bestechen.

Drei weitere Beteiligte haben bereits vor Gericht auf "unschuldig" plädiert: die frühere Anlagechefin der Stanford Financial Group, Laura Pendergest-Holt, sowie die Berater Gilberto Lopez und Mark Kuhrt, denen die Regierung vorwirft, Stanford beim Fälschen der Bücher geholfen zu haben. Stanford-Finanzchef James Davis muss sich am 1. Juli wegen ähnlicher Vorwürfe verantworten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap

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