Siemens-Affäre Anwalt fürchtet Mord an Ex-Siemens-Manager

Bis 2007 war Michael Christoforakos Siemens-Chef in Griechenland. Nun wurde er auf Betreiben der griechischen Staatsanwaltschaft bei München festgenommen. Gegenüber manager-magazin.de sagt Rechtsanwalt Stefan Kursawe, warum er um das Leben seines Mandanten fürchtet, falls dieser nach Griechenland ausgeliefert wird.
Von Karsten Langer

mm.de: Herr Kursawe, Ihr Mandant Michael Christoforakos, der frühere Siemens-Chef von Griechenland, ist von einem SEK-Einsatzkommando festgenommen worden und sitzt jetzt hinter Gittern in Stadelheim. Sie haben Angst um das Leben Ihres Mandanten. Warum?

Kursawe: Die griechische Justiz hat gegenüber der Münchener Oberstaatsanwältin eine zügige Auslieferung verlangt mit der Begründung, mein Mandant sei stark suizidgefährdet. Das stimmt absolut nicht, er erfreut sich bester Gesundheit. Wir legen das so aus, dass sein möglicher Tod schon im Vorwege als Suizid dargestellt wird. Herr Christoforakos hat auch schon in Griechenland Morddrohungen bekommen.

mm.de: Nun tragen Sie aber ziemlich dick auf.

Kursawe: Wenn mein Mandant auspackt, geraten ein paar Politiker unter Druck. Er war bis 2007 Chef von Siemens Griechenland, und auch dort wurde politische Landschaftspflege betrieben. Wenn Christoforakos in Griechenland aussagt, dürften einige Politiker zittern. Deswegen gehen wir davon aus, dass er kurz nach Betreten griechischen Bodens in höchster Lebensgefahr schwebt. Und er hat Angst um seine Kinder, die noch dort sind.

mm.de: Was werfen die Griechen Ihrem Mandanten vor?

Kursawe: Die dortige Staatsanwaltschaft hat einen europäischen Haftbefehl erlassen in einem Verfahren, in dem Christoforakos eine lebenslange Freiheitsstrafe droht. Ihm wird vorgeworfen, er habe Mitarbeiter der Telefongesellschaft OTE bestochen. Mein Mandant, der deutscher Staatsbürger ist, bestreitet die Vorwürfe in jedem Punkt. Er hatte in dieser Funktion mit OTE nichts zu tun. Das wurde ihm auch vom Siemens-Vorstand eingeimpft: "Du gehst jetzt nach Athen, aber mit OTE hast du nichts zu tun."

mm.de: Sie behaupten, die griechische Justiz spiele mit gezinkten Karten.

Kursawe: Nach deutschem Recht sind die Vorwürfe gegen meinen Mandanten verjährt, die stammen alle aus dem Jahre 2003. Die Griechen haben gefälschte Unterlagen vorgelegt, um diese Verjährung zu umgehen und die Auslieferung zu erzwingen. Im April 2008 wurde Herr Christoforakos in Griechenland als Zeuge verhört. In den Unterlagen, die die griechische Justiz zur Begründung Ihres Auslieferungsbegehrens beigebracht hat, ist das Wort "Zeuge" in den Protokollen durch das Wort "Beschuldigter" ersetzt worden. Nur eine Beschuldigtenvernehmung würde eine Verjährung unterbrechen, eine Zeugenvernehmung dagegen nicht. Das ist Urkundenfälschung.

mm.de: Ihr Mandant sitzt in Stadelheim. Wird er nun ausgeliefert?

Kursawe: Das kommt darauf an, ob die Staatsanwaltschaft das OLG anruft. Die Frage der Verjährung wird von der Staatsanwaltschaft geprüft. Wenn die ein Ermittlungsverfahren einleitet und sich am Ende gegen das Auslieferungsersuchen entscheidet, ist unser Mandant ein freier Mann. Es kann sein, dass eine Entscheidung in zehn Tagen fällt, es kann aber auch sein, dass es mehrere Wochen dauert.

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