Hochschulquartett Führen statt forschen

Woher weiß ein Professor, dass er zum Unipräsidenten taugt? Lässt sich erlernen, was man zum Führen der Alma mater braucht - und zum Erfolg im internationalen Wettbewerb der besten Denker? Das "Hochschulquartett", redaktionell begleitet von manager magazin, debattiert heute über die hohe Kunst des Hochschulmanagements.

Sendetermin: Fr., 26. Juni, 19:15 bis 20:00 Uhr , DLF 

Hamburg - Normalerweise ist Klaus Landfried eine temperamentvolle Frohnatur. Nur wenn es um die Topetage der eigenen Profession geht, dann malt der Professor schwarz: "Das Amt bringt keinen Lustgewinn", sagt der 68-Jährige, der zehn Jahre lang die Uni Kaiserlautern als Präsident leitete. Mehr noch: Gut sechs Jahre lang saß Landfried der Hochschulrektorenkonferenz vor, dem höchsten Gremium aller deutschen Magnifizenzen.

Und obwohl es bei ihm persönlich anders gewesen sein mag - über den Posten des Hochschulchefs sagt Landfried: "Es gibt nicht viele, die das können und wollen." Solche massiven Zweifel an ihrer Qualifikation bekommen im aktuellen Bildungsstreik vor allem die Leiter jener Großstadt-Hochschulen zu spüren, an denen obendrein ein politischer Richtungsstreit über die Strategie der Alma Mater herrscht.

An der Universität Hamburg musste sich Präsidentin Monika Auweter-Kurtz zum Beispiel in ihrem Büro einschließen, weil von außen Protestierende hereindrängten. Nach Stunden der Belagerung wurde Auweter-Kurtz schließlich von der Polizei durch den Hinterausgang auf den Parkplatz eskortiert.

Noch schlimmer traf es Dieter Lenzen. Zwar hatte der Präsident der Exzellenzhochschule Freie Universität Berlin (FU) im Vorfeld Verständnis signalisiert für viele Forderungen der Bildungsstreikenden. Dennoch stürmten Studierende in der vergangenen Woche das Präsidialamt der FU und richteten dort erheblichen Sachschaden an.

Die Rolle des Hochschulleiters hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt: War es ursprünglich mehr oder weniger ein ungeliebter Verwaltungsjob, den ein Professor nach dem anderen für zwei Jahre nolens volens übernehmen musste, ist es heute eine Managementaufgabe - vergleichbar mit dem Führen eines großen mittelständischen Unternehmens. Schließlich beträgt das Budget einer durchschnittlichen deutschen Uni zwischen 100 und 400 Millionen Euro pro Jahr, oft gehören die Hochschulen zu den größten Arbeitgebern ihrer Region. Die meisten Beschäftigten sind nicht etwa Professoren - sondern Laboranten und Sachbearbeiter, Bibliothekare und Kantinenhilfen.

Sind jedoch solche Parallelen in die Wirtschaftswelt zulässig für einen Forschungs- und Lehrbetrieb, der mit seinem Wissenschaffen zwangläufig "immer am Rand des Unbekannten" operiert, wie der ehemalige Hamburger Uni-Chef Peter Fischer-Appelt sagt? Und: Wie qualifiziert sich ein Professor, der im Laufe seiner Hochschulkarriere allenfalls das Forschen und Lehren gelernt hat, für die höchsten Managementaufgaben im Wissenschaftsbetrieb? Wo und wie lernt er Personalführung und Buchhaltung, Strategieentwicklung und Lobbyismus?

Über solche grundsätzlichen und hochaktuellen Fragen zum Hochschulmanagement, debattiert deshalb "Das Hochschulquartett" in seiner nächsten Sendung am kommenden Freitag, den 26. Juni, von 19:15 bis 20:00 Uhr. Der Deutschlandfunk (DLF) überträgt die Podiumsdiskussion bundesweit. Der Live-Stream ist über www.dradio.de/jetztimradio  zu hören, der Podcast ist ab Montag, den 29. Juni, herunterladbar unter www.dradio.de .

Auf dem Podium diskutieren:

  • Prof. Wolfgang Herrmann, Präsident der Exzellenzhochschule TU München
  • Prof. Jürgen Hesselbach, Präsident der TU Braunschweig und
  • Prof. Dieter Lenzen, Präsident der Exzellenzhochschule FU Berlin
  • sowie als Gast Prof. Klaus Landfried, ehemaliger Präsident der Uni Kaiserslautern und ehemaliger Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz, heute Personalvermittler für Topmanager im Wissenschaftsbetrieb.

Moderiert wird die Sendung von Christian Floto (DLF) und Michael Kröher (manager magazin).

Die Diskussion des "Hochschulquartetts" findet im Senatssaal der TU München statt (Arcisstr. 21, München), Zuhörer sind willkommen. Nach der Live-Sendung beantworten die Podiumsteilnehmer Fragen aus dem Publikum.

Das nächste "Hochschulquartett" wird zwei Tage vor der Bundestagswahl, am 25. September 2009, von 19:15 bis 20:00 Uhr, ebenfalls aus dem Senatssaal der TU München live übertragen. Thema der Debatte wird dann sein: "Die Hochschulpolitik in der nächsten Legislaturperiode - was die Regierung alles anpacken muss ".

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