Quelle-Erbin Schickedanz Milliarden "nur auf dem Papier"

Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz meldet sich über ihren Ehemann zu Wort. Die Familie habe ihr Mögliches für den Erhalt des Mutterkonzerns von Karstadt und Quelle getan. Derweil drängt Metro auf einen schnellen Zusammenschluss der Warenhäuser. Arcandor kann wieder auf Staatshilfe hoffen.

Berlin/Düsseldorf - Für Arcandor und seine Beschäftigten beginnt eine weitere Woche des Hoffens und Bangens. Wie es mit dem insolventen Handels- und Touristikkonzern weitergeht, ist noch unklar. Die Bundesregierung sagte Unterstützung zu, Großaktionärin Madeleine Schickedanz sprach sich für den Erhalt des Unternehmens als Ganzes aus.

"Wir wollen nicht, dass der Konzern zerschlagen oder verramscht wird", sagte ihr Ehemann und Arcandor-Aufsichtsrat, Leo Herl, der "Bild am Sonntag". Schickedanz werde ihr Aktienpaket nicht verkaufen. "Wir bleiben an Bord, die Kurse werden steigen." In dieser Woche werde es bei einer Aufsichtsratssitzung erste Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geben. Dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin wird ein Arcandor-Anteil von rund 26,7 Prozent zugerechnet.

Herl verteidigte seine Ehefrau gegen Vorwürfe, nicht genug zur Abwendung der Insolvenz des Handelskonzern getan zu haben. Seine Frau habe einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Firma gesteckt, sagte Herl der "Bild am Sonntag". Teilweise habe sie dieses Geld bei Banken finanziert und als Sicherheit ihr privates Vermögen, Immobilien und Firmenbeteiligungen eingesetzt. Das gesamte Vermögen seiner Frau stecke in ihrem Aktienpaket.

Herl sagte, Schickedanz besitze nur "auf dem Papier" ein Milliardenvermögen. "Doch wenn man alles unter Zeitdruck und Not verkaufen muss, schmelzen Milliardenwerte schnell zu Millionen." Mit dem Aktienpaket habe Schickedanz seit 2004 "keinen Euro mehr eingenommen".

Herl betonte, die Situation der Firma und ihrer Mitarbeiter gehe seiner Frau sehr nahe. "Sie sitzt nicht in der Schweizer Villa und trinkt teuren Champagner oder isst teure Pralinen, wie man gelegentlich hören kann. Im Gegenteil: Die Krise und die Insolvenz haben sie gesundheitlich sehr angeschlagen." Am vergangenen Montag, einen Tag vor der Insolvenz, sei sie im Krankenwagen mit Blaulicht in eine Schweizer Klinik eingeliefert und auf der Intensivstation wegen Herzproblemen behandelt worden. Am nächsten Tag habe seine Frau wieder nach Hause gewollt, sie sei weiter in intensiver ärztlicher Behandlung. "Sobald sie gesundheitlich in der Lage ist, wird sie zu ihren Mitarbeitern sprechen. Das ist ihr eine Herzensangelegenheit."

Gespräche mit Metro, Otto und Rewe

Bei der Rettung von Arcandor stützen sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg nach einem Bericht von "Euro am Sonntag" auf das bereits Mitte April von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vorgestellte Sanierungsprogramm. Eick habe das Konzept gemeinsam mit Piepenburg erarbeitet.

Der Plan sah vor, dass sich der Konzern auf die profitablen Kernbereiche von Primondo und Karstadt konzentriert und den Wachstumskurs der Reisetochter Thomas Cook als Teil des Gesamtkonzerns fortsetzt. Im Warenhausbereich wollte man sich auf das mittlere Preissegment konzentrieren und sich von Edeladressen wie KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) trennen. Außerdem sollten Standorte geschlossen und in der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) Stellen abgebaut werden.

Parallel zu dem bestehenden Plan führe Görg Gespräche mit an Konzernteilen interessierten Unternehmen, schreibt "Euro am Sonntag". Neben den Gesprächen mit Metro fänden auch Gespräche mit Otto sowie Rewe statt.

Die Metro-Warenhaustochter Kaufhof macht bei der geplanten Übernahme eines großen Teils der Karstadt-Häuser Druck. "Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Rettung der Karstadt-Warenhäuser eilbedürftig ist", sagte Kaufhof-Chef Lovro Mandac der "Bild am Sonntag". Die Kaufhof-Mutter Metro dementierte derweil aufs Schärfste, sie wolle für die Übernahme Staatshilfe in Millionenhöhe beantragen.

Metro will "Gesamtverantwortung gegen Verödung der Städte"

Kaufhof sei das einzige Unternehmen, das ein Gesamtkonzept für die Übernahme von etwa 60 der 90 Karstadt-Filialen und damit "zur Rettung von 20.000 Karstadt-Mitarbeitern" vorgelegt habe, warb Unternehmenschef Mandac. Sein Unternehmen habe ein "profitables Warenhaus-System, in das ohne Verzug die 60 Karstadt-Häuser integriert werden könnten". Die Konzernmutter Metro übernehme dabei "Gesamtverantwortung nicht nur für die Masse der Mitarbeiter, sondern auch gegen Verödung deutscher Innenstädte", sagte Mandac der "BamS".

Auch Metro-Chef Eckhard Cordes wirbt weiter für die Kaufhausehe. Er werde sich mit Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) treffen, bestätigte ein Konzernsprecher einen Bericht des "Focus". Das Treffen soll laut dem Magazin am Mittwoch in Berlin stattfinden. Cordes hatte vor der Arcandor-Insolvenz bereits bei mehreren Regierungsmitgliedern für die Warenhausfusion plädiert. Tiefensee traf vor einigen Tagen die Bürgermeister mit Karstadt-Standort. Sie äußerten sich besorgt über eine mögliche Verödung der Innenstädte.

Kaufhof und Karstadt hatten zuletzt einen Tag vor der Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor über die Übernahme verhandelt. Metro-Chef Eckhard Cordes warb noch am Tag der Insolvenz für eine Fortsetzung der Gespräche. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick erklärte sich zwei Tage später dazu bereit. Ein neuer Termin wurde noch nicht genannt.

Einen Bericht der "Börsen-Zeitung", wonach Metro für die Übernahme der Karstadt-Filialen einen Kredit der staatlichen KfW-Bank in Höhe von 200 Millionen beantragen wolle, sei "absolut aus der Luft gegriffen", sagte der Konzernsprecher. In den Planungen von Metro hätten Staatshilfen nie eine Rolle gespielt und "sie werden auch weiterhin keine Rolle spielen".

manager-magazin.de mit Material von dpa und afp