BP Topmanagerin will nicht mehr

Vivienne Cox räumt ihren Posten bei BP. Bereits Ende des Monats wird die Chefin des Bereichs alternative Energien, der vom Ölkonzern zuletzt stiefmütterlich behandelt wurde, ihr Büro in London räumen. Eine Nachfolgerin für Cox steht bereits fest.
Von Karsten Langer

Hamburg - Mit Vivienne Cox räumt eine der früheren Hoffnungsträgerinnen bei BP ihren Posten. Die Managerin wird ihr Büro in der Londoner County Hall, das sie erst im Sommer vergangenen Jahres bezogen hat, Ende Juni räumen. Eine Nachfolgerin steht bereits fest: Katrina Landis, die bisherige Stellvertreterin für den Bereich Alternative Energien, wird das Amt übernehmen.

"Frau Cox ist aus freien Stücken gegangen, wir bedauern ihre Entscheidung", sagte ein BP-Pressesprecher gegenüber manager-magazin.de. Man wisse nicht, was Frau Cox in naher Zukunft machen werde. Es sei möglich, dass sie sich erstmal um ihre beiden Töchter kümmern werde. Als Spezialistin für erneuerbare Energien habe sie aber die besten Voraussetzungen, in einem anderen Unternehmen eine Führungsposition einzunehmen, so der Sprecher weiter.

Cox arbeitete 28 Jahre für BP und hat im Laufe ihrer Karriere fast alle Abteilungen durchlaufen. 1981 begann sie ihre Karriere im Bereich Gas, bis 2001 war sie Vizepräsidentin des Bereichs Öl, bis 2004 Vizepräsidentin des Bereichs Beschaffung und Handel. Danach übernahm sie die Führung der Sparte für Gas, Strom und erneuerbare Energien.

Als im Frühsommer 2007 mit der Inthronisierung von Tony Hayward die zuletzt unrühmliche Ära John Brown endete, begann der Stern von Cox zu sinken. Erst wurde ihr Verantwortungsbereich auf die Sparte erneuerbare Energien reduziert, dann folgte Mitte vergangenen Jahres der Umzug des Bereichs vom St James's Square in ein Gebäude südlich der Themse. Die räumliche Trennung von der Zentrale sei die Vorbereitung für den Verkauf, vermuteten die einen. Die anderen sagten, es sei nur die logische Konsequenz der neuen Strategie von Konzernchef Hayward: der will BP wieder auf die Kernsparten Öl und Gas fokussieren, erneuerbare Energien stehen auf Hayards Agenda eher hintan.

Zwar betont BP immer wieder, das der Ausbau alternativer Energien und die Reduzierung von CO2 ein wesentlicher Bestandteil der Konzernstrategie seien. Kritiker monieren dagegen, der Bereich werde immer mehr ins Abseits gedrängt. 2008 wurden 1,5 Milliarden Dollar in die Sparte gesteckt. Das klingt zwar viel, tatsächlich entspricht die Summe aber nur 7 Prozent des gesamten BP-Investitionsvolumens. Außerdem wurden die Investitionen unterdessen wieder zurückgefahren und im Solargeschäft Kosten eingespart.

Cox, die im Fortune-Ranking der einflussreichsten Managerinnen weltweit im vergangenen Jahr den 19 Platz belegte, galt bei BP als Organisationstalent. Auf der einen Seite gelang es ihr, Familie und Führungsposition unter einen Hut zu bekommen. Wegen ihrer Töchter ging Cox über Jahre an drei Tagen in der Woche zeitig nach Hause.

Außerdem ist die Oxford-Absolventin bekannt für ihren "organischen Führungsstil". Cox bezeichnet ihre Rolle als die eines Katalysators. Sie vertritt eine Managementphilosophie, in der Führungskräfte Veränderungen nicht durchdrücken, sondern dafür sorgen, dass aufgrund von personellen und strategischen Entscheidungen ganz von selbst ein Potenzial für Neues entsteht. Dieses Potenzial wird Cox künftig woanders entwickeln.

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