Donnerstag, 22. August 2019

Bye, bye Bonus Bange Banker betteln um Jobs

Macht, Ansehen und fette Boni, so lockten Investmentbanken die Absolventen privater Wirtschaftshochschulen. Nun ist der Mythos kaputt, auf Berufsstarter wartet eine schwierige Jobsuche. Viele interessieren sich jetzt für andere Branchen - oder überwintern an der Uni.

Investmentbanker, das war Adrian Grafs Traum. Darauf trimmte er sein Leben: Einser-Abitur, Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, zum Studium an eine renommierte Hochschule für den Finanznachwuchs, Praktika bei namhaften Unternehmen, USA-Aufenthalt.

30.000 Euro kostete ihn der Bachelor an der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Aber das würde ja später schnell wieder reinkommen. Was kam, war die Finanzkrise. "Die hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagt der 24-Jährige. "Der Job ist einfach nicht mehr lohnenswert." Grafs Traum ist dahin.

Früher funktionierte die Gleichung so: private Hochschule mit Finanzschwerpunkt plus hohe Leistungsbereitschaft gleich dicker Job. Studiengebühren spielten kaum eine Rolle, die lukrativen Stellenangebote wogen sie locker auf. Doch das Kalkül geht nicht mehr auf. Auch Absolventen renommierter Business Schools sind betroffen.

"Der Hype ist vorbei"

Weltweit hat die Krise bereits 325.000 Arbeitsplätze in der Finanzindustrie gekostet, viele Unternehmen aus der Branche haben einen Einstellungsstopp verfügt. "Der Hype der vergangenen Jahre ist vorbei", sagt Udo Steffens, Präsident der privaten Frankfurt School of Finance and Management.

Die ehemalige Edelsparte Investmentbanking, beim Nachwuchs lange hochbegehrt, hat es besonders heftig erwischt. Der Branchenriese Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen begann Ende 2008 bereits mit dem Abbau von 10 Prozent der Stellen, für 2009 sieht es ähnlich aus, auch bei der Konkurrenz. Ansehen, Macht, fette Gehälter und noch fettere Boni - die ehemaligen Motivationstreiber der Nachwuchsbanker sind dabei zu verschwinden.

Viele Banken haben Nullrunden angekündigt, und ihre Bonussysteme müssen sie auch überarbeiten für die Zukunft. "Reine Investmentbanken alter Prägung wird es nicht mehr geben", sagt Bankenexperte Martin Emmerich von der Unternehmensberatung Towers Perrin, "nur noch als integrierten Geschäftsbereich von Banken."

Das glänzende Image, das Investmentbanken lange unter BWL-Studenten genossen, ist ebenfalls lädiert, schließlich trägt die Sparte eine große Mitschuld an der Krise. "Nachwuchskräfte überlegen sich sorgsam, ob sie sich das Etikett 'Investmentbanker' noch anheften wollen", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum.

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