Madeleine Schickedanz Medienscheue Quelle-Erbin

In der Diskussion um Arcandor rückt Madeleine Schickedanz ins Rampenlicht. Die 65-jährige Quelle-Erbin ist nach dem Bankhaus Sal. Oppenheim die zweitgrößte Aktionärin. Kritiker verlangen, dass sie mit ihrem eigenem Vermögen für eine Rettung einsteht.

Essen - Madeleine Schickedanz wurde am 20. Oktober 1943 in Nürnberg als einziges Kind des Quelle-Firmengründers Gustav Schickedanz und dessen zweiter Frau Grete Schickedanz geboren. Sie kam im Luftschutzbunker der Frauenklinik zur Welt und wuchs auf dem Michelsberg in Hersbruck auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Quelle zum größten Versandhaus Europas auf.

Nach dem Abitur in Fürth studierte Schickedanz zwei Semester Betriebswirtschaft in München und Erlangen/Nürnberg. 1965 heiratete sie Hans-Georg Mangold, den Nachbarssohn aus einer angesehenen Fürther Spielwarendynastie. Doch die Ehe scheiterte ebenso wie die mit Wolfgang Bühler. Heute ist Madeleine Schickedanz in dritter Ehe mit Leo Herl verheiratet, der im Aufsichtsrat von Arcandor  sitzt und ihr Vermögen verwaltet

1999 kam es zu der Fusion von Quelle mit dem Warenhauskonzern Karstadt zur KarstadtQuelle AG, die nach anfänglicher Euphorie durch die sinkenden Gewinne rasch entzaubert wurde. Zu diesem Zeitpunkt hielt der Aktionärspool um Madeleine Schickedanz 36 Prozent des Versandhaus- und Warenhauskonzerns.

2004 holt Schickedanz den früheren Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff an die Spitze des Aufsichtsrats des angeschlagenen Handelsriesen. Später wechselt Middelhof an die Spitze des Vorstands, um den Konzern zu sanieren. Er trennt sich unter anderem von milliardenschweren Immobilien und von den Handelsketten Wehmeyer und SinnLeffers. 2007 erfolgt die Umbenennung in Arcandor.

Im September 2008 legt die Arcandor-Aktie im Zusammenhang mit der Refinanzierung und damit verbundenen Spekulationen über einen Verkauf der Reisetochter Thomas Cook innerhalb weniger Tage eine bemerkenswerte Berg- und Talfahrt hin. Nach weiteren Kursverlusten übernimmt die Privatbank Sal. Oppenheim einen Teil der Madeleine-Schickedanz-Aktien und steigt damit zum größten Aktionär bei Arcandor auf.

Im März übernimmt der langjährige Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick von Middelhoff den Vorstandsvorsitz und kündigt an, den durch die Weltwirtschaftskrise noch stärker in Bedrängnis geratenen defizitären Handels- und Touristikkonzern Arcandor wieder zügig in stabiles Fahrwasser zurückbringen zu wollen. Dafür beantragte er eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro sowie einen Kredit über 200 Millionen Euro bei der staatlichen KfW-Bank. Ansonsten droht dem Konzern mit rund 86.000 Mitarbeitern - davon rund 53.000 in Deutschland - die Insolvenz.

Die vierfache Mutter Madeleine Schickedanz, die zurückgezogen in Fürth und St. Moritz lebt, blieb bislang stets im Hintergrund und machte höchstens durch ihr soziales Engagement von sich reden.

So gründete sie 1990 unter anderem die Madeleine-Schickedanz-Kinder-Krebs-Stiftung, für die sie und ihre von Leukämie geheilte Tochter Caroline Bühler unermüdlich Spenden sammeln.

Von Ralf Beunink, ddp