Oleg Deripaska Opels stiller Teilhaber

Während Magna-Gründer Frank Stronach bei den Verhandlungen zur Opel-Rettung prominent in Erscheinung trat, hielt sich sein russischer Kompagnon, Oleg Deripaska, stets zurück. Wer ist der Mann, dessen Händlernetz Opel neue Gewinne bescheren soll - und der selbst in der Finanzkrise fast 90 Prozent seines Vermögens verlor?

Moskau - Noch im vergangenen Jahr war Oleg Deripaska mit geschätzten 28,6 Milliarden Dollar der reichste Mann Russlands. Dann kam die internationale Finanzkrise, und im Spätfrühling schätzte die Zeitschrift "Forbes" Deripaskas Vermögen auf "nur" noch 3,5 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) - binnen weniger Monate hatte der Oligarch einen Großteil verloren und ist nurmehr der zehntreichste Russe. Jetzt hofft der 41-Jährige durch sein Engagement beim Opel-Rettungspaket auf ein ebenso rasches Comeback.

Der zu Deripaskas Firmenimperium Basic Element (Basel) gehörende russische Autobauer GAZ ist an dem Rettungsplan für Opel beteiligt. Wenn es nach Deripaska geht, sollen künftig Opelfahrzeuge in den Produktionsanlagen von GAZ in Nischni-Nowgorod gebaut und über das riesige Vertriebsnetz von GAZ in ganz Russland verkauft werden.

Sein Vermögen machte der Physiker Deripaska mit dem Aufbau eines riesigen Firmenimperiums unter dem Dach von Basic Element. Aggressiv kaufte er sich Firmen von der Metallindustrie über Finanzdienstleistungen bis zum Bausektor zusammen, seine Zukäufe finanzierte er auf Pump. Von der Finanzkrise und den Kurseinbrüchen wurde er daher besonders hart getroffen, denn die von ihm als Sicherheiten hinterlegten Aktienpakete waren plötzlich nichts mehr wert.

Unter dem Druck der Banken, welche die Rückzahlung von Krediten verlangten, musste Deripaska sich inzwischen von einigen seiner Unternehmensbeteiligungen trennen. Im Oktober verkaufte er seinen 20-prozentigen Anteil am Autozulieferer Magna, der jetzt ebenfalls beim Opel-Rettungspaket mit im Boot sitzt. Ende April trennte sich seine Holding von ihrem 25-prozentigen Anteil am österreichischen Bauriesen Strabag. Wenige Tage später gab der Autobauer GAZ, der zu 61,05 Prozent Basel gehört, den Verkauf der britischen Nutzfahrzeugtochter LDV bekannt.

Teile des Imperiums auf der Kippe

Weiter zu Deripaskas Imperium gehören jetzt noch GAZ, der Aluminiumriese Rusal und der Versicherer Ingosstrach, die jedoch beide ebenfalls hoch verschuldet sind. Für Rusal hofft Deripaska, ein Abkommen zur Umschuldung zimmern zu können.

Anders als andere russische Oligarchen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Vermögen anhäuften und dann auf Kollisionskurs zum Kreml gingen, hat Deripaska bislang stets auf ein gutes Verhältnis zu den Mächtigen in Moskau geachtet. Politische Kommentare vermied er sorgfältig im Gegensatz zu den gestürzten Oligarchen Boris Beresowski und Michail Chodorkowski, die heute im englischen Exil beziehungsweise im Gefängnis sitzen.

Deripaskas Imperium soll es trotz aller Schulden nach eigenen Angaben inzwischen wieder besser gehen. "Abgesehen von ein paar schwierigen Fällen glauben wir jetzt, dass unsere Unternehmen es schaffen werden", sagte Basel-Vizechefin Olga Sinowjewa kürzlich dem "Wall Street Journal". "Die akute Phase ist vorbei, und wenn wir Verträge mit den Gläubigern schließen, wird sich die Situation normalisieren."

Für den Kreml wie auch für viele westliche Gläubiger sei Deripaska "zu wichtig, um unterzugehen", kommentierte das "Wall Street Journal". Die Mitglieder seines Firmenimperiums machten gemeinsam immerhin fast zwei Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts aus und beschäftigten hunderttausende Arbeiter in ganz Russland.

Stuart Williams, afp