Sonntag, 18. August 2019

Hilmar Kopper "HSH wieder zu funktionierender Bank machen"

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper hat sich zu einem Engagement als Aufsichtsratsvorsitzender der angeschlagenen HSH Nordbank bekannt, sieht aber noch offene Punkte. Derzeit ginge es für alle Landesbanken "ums Überleben", sagte Kopper.

Kiel - "Da sind noch ein paar Fragen zu klären", sagte Kopper am Donnerstag vor Journalisten in Kiel auf die Frage nach eventuellen Bedingungen, von denen er ein Amt als Aufsichtsratschef abhängig machen würde. Die Zusammensetzung des Aufsichtsrates gehöre zu diesen Fragen, aber darüber entscheide er ja nicht.

Hilmar Kopper: "Ich bin noch tatendurstig"
"Es geht mir darum, die Bank wieder zu einem funktionierenden Kreditinstitut zu machen", sagte Kopper. Er soll auf Vorschlag der Regierungschefs von Schleswig-Holstein und Hamburg, Peter Harry Carstensen und Ole von Beust, zum Aufsichtsratschef gewählt werden.

In Kiel traf sich Kopper mit Carstensen, SPD-Fraktionschef Ralf Stegner und Vertretern der CDU-Fraktion. Gegenstand des Gesprächs mit Carstensen waren laut Regierungssprecher Knut Peters strategische Überlegungen Koppers im Zusammenhang mit der Neustrukturierung der Bank. Schleswig-Holstein und Hamburg sind Haupteigentümer des Instituts, das sie nur mit Milliardenhilfen retten konnten.

"Das Überleben der Landesbanken sichern"

An der vorgesehenen Aufgabe reize ihn die Herausforderung, sagte Kopper. "Ich bin noch tatendurstig." Zu seinen Vorstellungen für die Zukunft der Bank wollte er noch nichts Genaueres sagen. Auf die Frage, ob es für die HSH eine Zukunft als Alleinbank geben könne, sagte Kopper: "Das weiß ich nicht". Darüber lasse sich noch nichts sagen. "Im Augenblick, glaube ich, geht es für alle Landesbanken darum, ihr eigenes Überleben zu sichern."

Auf die Frage, ob er sich zutraue, die HSH Nordbank an die Börse zu bringen, sagte der 74-Jährige: "Ich weiß nicht, ob ich dafür noch jung genug bin." Der bereits geplante Börsengang der Bank war wegen der Finanzmarktkrise ausgesetzt worden.

Stegner sprach nach seiner knapp einstündigen Begegnung mit Kopper, an der auch Innenminister Lothar Hay und Europaminister Uwe Döring teilnahmen, von einem sachbezogenen und nüchternen Gespräch. "Wir haben Erwartungen ausgetauscht." Stegner betonte das große Interesse daran, die Bank wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bekommen und nicht weitere Garantieleistungen erbringen zu müssen. Döring sprach von einem guten Gespräch. Er sagte, er könne als Regierungsmitglied die Entscheidung, Kopper zum Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen, voll mittragen.

Für die CDU-Fraktion erklärte Wirtschaftsexperte Hans-Jörn Arp nach einem fast zweistündigen Treffen: "Herr Kopper hat durch klare Vorstellungen und eine klare Linie überzeugt. Er ist nach wie vor hoch kompetent im Auftreten und erweckt volles Vertrauen in seine zukünftige Arbeit."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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