Montag, 19. August 2019

Neuer Chefkontrolleur Kopper soll HSH Nordbank retten

Hilmar Kopper wird neuer Aufsichtsratschef der HSH Nordbank. Der 74-Jährige führte die Deutsche Bank von 1989 bis 1997 und gehört zu den wichtigsten Topbankern im nationalen und internationalen Bankgeschäft. Sein Vorgänger Wolfgang Peiner hatte Fehler bei der Kontrolle der hochverschuldeten Landesbank eingeräumt.

Hamburg - Hilmar Kopper wird neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats der angeschlagenen HSH Nordbank. Schleswig-Holstein und Hamburg als Mehrheitsaktionäre der HSH Nordbank haben dem Unternehmen vorgeschlagen, Kopper zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen. Die Regierungschefs beider Länder, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und der Erste Bürgermeister Ole von Beust, hätten sich auf die Nominierung des früheren Chefs der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen verständigt, teilten Hamburg und Schleswig-Holstein heute mit.

Künftiger HSH-AR-Chef: Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper
Kopper muss zunächst von der ordentlichen Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Der 74-Jährige wird Nachfolger des bisherigen Aufsichtsratschefs Wolfgang Peiner (CDU). Der ehemalige Hamburger Finanzsenator hatte im Februar seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef angekündigt und Fehler bei der Kontrolle der Milliardenverluste schreibenden Landesbank eingeräumt. Ihr Wertpapierportfolio sei seit Jahren zu groß und zu risikoreich gewesen. Peiner war 2007 an die Spitze des HSH-Aufsichtsrats gewechselt.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust begrüßte die Nominierung Koppers: "Mit Kopper erhält der Aufsichtsrat einen ausgewiesenen Banken- und Finanzfachmann als Vorsitzenden, der nicht nur über jahrzehntelange Erfahrungen, sondern auch über die notwendige Distanz zum Thema verfügt." Als Aufsichtsratsvorsitzender einer Privatbank hatte Kopper in der Vergangenheit mehrfach die Landesbanken kritisiert. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen erklärte: "Ich bin sehr froh, dass Kopper bereit ist, der HSH Nordbank in der schwierigen Phase der Neustrukturierung zu helfen."

Erst kürzlich war auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der krisengeschüttelten HSH Nordbank einstimmig die dringend benötigte Kapitalerhöhung beschlossen worden. Nach einem Verlust von 2,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr drohte der Bank anderenfalls die Schließung.

Nach monatelangem Ringen hatten die Hauptanteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein Anfang April die geplante Finanzspritze beschlossen. Um den Fortbestand der gemeinsamen Landesbank zu sichern, pumpen beide Länder gemeinsam drei Milliarden Euro neues Kapital in das Institut und gewähren Garantien über weitere zehn Milliarden Euro.

Wie es in Finanzkreisen heißt, setzte sich mit der Nominierung Koppers HSH-Nordbank-Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher durch, der sich immer einen erfahrenen Mann aus der Finanzbranche statt eines Politikers an der Spitze des Aufsichtsrats gewünscht hatte.

Kopper führte die Deutsche Bank von 1989 bis 1997 und gehörte zu den wichtigsten Topbankern im nationalen und internationalen Bankgeschäft. Dem am 13. März 1935 geborenen Westpreußen werden jedoch auch Misserfolge nachgesagt, so etwa die enge geschäftliche Bindung der Deutschen Bank an den Immobilienbetrüger Jürgen Schneider und seine langjährige Unterstützung für DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, als er den Aufsichtsrat des Autobauers führte.

Im Gedächtnis geblieben ist eine Kopper-Äußerung aus dem Jahr 1994. Die Verluste der Deutschen Bank bei der Immobilienaffäre mit dem gescheiterten Bauunternehmer Jürgen Schneider bezüglich offener Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Millionen Mark seien "Peanuts" (Erdnüsschen) im Vergleich zu den über fünf Milliarden Mark Gesamtschulden Schneiders, sagte Kopper damals.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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