Donnerstag, 19. September 2019

Befristete Arbeitsverträge Halb drin, halb draußen

Unbefristete Arbeitsverträge sind gerade in einer schwierigen Wirtschaftslage ein wertvolles Gut. In Zeiten wie diesen finden sich zahlreiche Arbeitnehmer auch mit einem befristeten Vertrag ab, bevor sie gar keinen bekommen. Doch ein solcher Kontrakt hat Tücken.

Brühl/Berlin - "Befristungen sind immer noch sehr verbreitet - und zwar in allen Branchen", sagt Christian Götz, Arbeitsrechtler in der Bundesverwaltung der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Besonders häufig sind sie nach Einschätzung der Rechtsanwältin Valentine Reckow aus Berlin in sogenannten Tendenzbetrieben: bei Regisseuren, Moderatoren, Kommentatoren, in der Presse, der Kunst und auch der Wissenschaft.

Kontrakt mit begrenztem Haltbarkeitsdatum: Befristete Arbeitsverträge sind verbreitet
Wie vertraglich befristet werden darf, regelt ein eigenes Gesetz: das Teilzeitbefristungsgesetz (TzBfG). Darin sind unter anderem die verschiedenen Gründe festgelegt, die die Befristung ermöglichen. "So kann ohne Grund befristet werden, wenn zuvor kein Arbeitsverhältnis zum Arbeitgeber bestand, und zwar bis zu zwei Jahre", erklärt der Rechtsanwalt Michael Felser aus Brühl bei Köln. Dieser Zeitraum könne in bis zu vier befristete Verträge gestückelt werden, "ohne dass dabei ein Grund vorliegen müsste".

Zum anderen kann mit einem Sachgrund befristet werden. "Dazu gehört der nur vorübergehende betriebliche Bedarf an der Arbeitsleistung oder eine Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium", erklärt Felser, "aber auch die Einstellung eines Mitarbeiters, der zur Vertretung eines anderen Arbeitnehmers beschäftigt wird." Insgesamt ist eine befristete Beschäftigung nicht immer die schlechteste, wie Götz betont: "Man ist voll in den Betrieb integriert." Je nach Vertragsgestaltung bedeutet das, dass Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt werden und auch Anspruch auf Urlaub besteht.

Eines, sagen die Experten, sei allerdings immens wichtig beim Abschluss eines befristeten Vertrages: "Befristungen bedürfen der Schriftform". Im Vertrag muss die vorhersehbare Dauer der Befristung schriftlich nachgewiesen werden. Nach höchstrichterlichem Urteil ist im Arbeitsvertrag zu vereinbaren, ob der Mitarbeiter als Zeitangestellter, als Angestellter für Aufgaben von begrenzter Dauer oder als Aushilfe eingestellt wird. "Findet sich im Arbeitsvertrag keine Regelung und damit auch kein Enddatum, ist das Arbeitsverhältnis unbefristet", erläutert Felser.

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