Sandra Lüth Deutschlands jüngste Börsenchefin

Das hektische Börsengeschehen auf dem Parkett hat Sandra Lüth nie kennengelernt. Dafür ist sie mit ihren 32 Jahren zu jung. Dennoch gehört die Wirtschaftsjuristin zur Führungsriege des deutschen Börsenhandels: Seit Anfang März ist sie Geschäftsführerin der Börse in Hannover - und damit Deutschlands jüngste Börsenchefin.

Hannover - Sandra Lüth lässt sich nicht ablenken, ist kontrolliert und bringt schwierigste Themen einfach übersetzt auf den Punkt. "Ich bin ehrgeizig", gibt sie unumwunden zu. Ihre beruflichen Ambitionen seien eine "Mischung aus Ehrgeiz und Spaß".

Ihr konzentrierter Blick und ihr zielorientierter Lebenslauf verraten aber auch eine Portion Perfektionismus: Steil und geradlinig war ihr Weg vom Studium in Lüneburg an die Spitze der Börsen AG, in deren Trägerschaft sich die Börsen in Hannover und Hamburg befinden. 2003 beendete die junge Frau ihr Studium zur Wirtschaftsjuristin in Lüneburg. Eine Mischung, die sie als "spannende Kombination" beschreibt. Da hatte sie die wichtigen Weichen für den Berufseinstieg bereits gestellt.

Sie selbst spricht zurückhaltend von "zeitlichem Zufall". Ihr Vorgänger Hans Heinrich Peters hatte ein praktisches Diplomarbeitsthema zu vergeben. Sandra Lüth griff zu, lernte in Hamburg das Börsengeschäft hautnah kennen und war begeistert: "Ich war sofort Feuer und Flamme für den Handel, für Wertpapiere, für Börse", sagt sie. Das ist bis heute uneingeschränkt so.

Rund 21 Milliarden Euro hat die Börsen AG im Jahr 2008 umgesetzt. Damit ist sie auf dem dritten Platz unter den deutschen Börsen, sagt Lüth. Wenn es nach ihr geht, darf es gern mehr werden. Das will sie mit neuen Ideen und bester Servicequalität im klassischen Wertpapiergeschäft erreichen.

"Lüth hat Biss, das haben wir schnell erkannt", beschreibt ihr beruflicher Ziehvater Peters seine ersten Eindrücke von der engagierten Frau, die im Moment nach Arbeitsschluss ihre Doktorarbeit schreibt. "Sie ist sehr versiert, arbeitet sich schnell in ein fremdes Gebiet ein und hat ein unglaubliches Durchhaltevermögen." Ihr Vorgänger ist froh, dass er Lüth als seine Nachfolgerin gewinnen konnte. "Ich glaube, dass das richtig gut laufen wird."

Bislang musste Lüth keine Stolpersteine überwinden oder Zeitverzögerungen hinnehmen: Direkt nach dem Abschluss des Studiums holt sie ihr Diplomarbeit-Betreuer Peters nach Hannover. Ihre beruflichen Stationen in der Landeshauptstadt: Vorstandsassistentin, Leitung der Handelsüberwachungsstelle sowie Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied in Vertretung.

Als Peters im Februar 2009 in den Ruhestand geht, übernimmt sie seinen Posten. Seitdem wacht Lüth über zehn Mitarbeiter und drei Makler. Die berufliche Anspannung kann die Chefin der Börse Hannover am besten beim Laufen abschütteln. "Da geht es mal nicht um die Zeit. Ich laufe um des Laufens wegen und nicht, um ein Ziel zu verfolgen."

Christiane Gläser, dpa