Datenaffäre Bahn-Chef Grube räumt Vorstand auf

Der neue Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, baut nach dem Datenskandal die Konzernspitze und das Unternehmen um. Norbert Bensel und Otto Wiesheu sollen wegen der Spitzelaffäre das Gremium verlassen. Bensel war Personalvorstand. Wiesheu, ehemals bayerischer Wirtschaftsminister, war für Marketing und politische Beziehungen zuständig.

Berlin - Wegen der Datenaffäre sollen Norbert Bensel und Otto Wiesheu den Bahn-Vorstand verlassen, heißt es übereinstimmend in verschiedenen Agentur- und Zeitungsberichten. Es wurde erwartet, dass der Aufsichtsrat der Bahn AG am Mittwochvormittag die Auflösung der Verträge der beiden Manager beschließen würde. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG beschäftigt sich heute ab 10 Uhr mit der Datenaffäre bei dem Konzern.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die Rechtsanwälte Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum wollen dann Berichte zur Aufklärung der Affäre vorlegen. Danach wollen der neue Bahnchef Rüdiger Grube und Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller vor die Presse treten. Grube hat mehrfach erklärt, er wolle schnell und bedingungslos strukturelle und nötigenfalls auch personelle Entscheidungen treffen.

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe) werden auch die Leiter der Bereiche Revision und Konzernsicherheit, Josef Bähr und Jens Puls, sowie der Korruptionsbeauftragte Wolfgang Schaupensteiner und Strategiechef Alexander Hedderich im Zuge der Affäre abgelöst. Personalvorstand Margret Suckale kam einer Ablösung aus dem Bahn-Vorstand zuvor und wechselt im Juli zu BASF.

Bensel war während der Datenaffäre Personalvorstand und ist jetzt für Logistik zuständig. Er bestreitet, von den Vorgängen gewusst zu haben. Wiesheu ist seit 2005 verantwortlich für Marketing und politische Beziehungen. Bahn-Chef Rüdiger Grube hat mehrfach erklärt, er wolle schnell und bedingungslos strukturelle und nötigenfalls auch personelle Entscheidungen treffen. Grube will heute zudem dem Verkehrsausschuss des Bundestages Rede und Antwort zu stehen.

Die Bahn hatte in den vergangenen zehn Jahren mehrfach heimlich die Daten fast aller Mitarbeiter mit denen von Kunden und Lieferanten abgeglichen, um möglichen Korruptionsdelikten auf die Spur zu kommen. Prominentestes Opfer der Affäre wurde Hartmut Mehdorn, der Ende März unter politischem Druck seinen Rücktritt anbot. Die Führung der Bahn selbst hatte die Konzernrevision für zahlreiche dieser Untersuchungen verantwortlich gemacht; ihr Leiter Josef Bähr wurde im Winter bereits beurlaubt.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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