Deutsche Bahn "Tief im System verstrickt"

Der neue Konzernchef, Rüdiger Grube, hat versprochen, in der Bahn aufzuräumen. Daher wird für die kommenden Wochen mit personellen Konsequenzen gerechnet - und dabei könnte es auch Vorstände treffen. Entscheidend ist der Bericht der Sonderermittler, der am Mittwoch vorgelegt wird.

Berlin - Bei der Bahn stehen nach dem Sturz des langjährigen Konzernchefs Hartmut Mehdorn weitere personelle Konsequenzen aus der Datenaffäre bevor. Verkehrspolitiker der Koalition rechneten damit, dass der neue Bahnchef Rüdiger Grube die Entscheidungen zügig fällen dürfte. In welchem Ausmaß die Vorstandsebene davon betroffen ist, sei noch offen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Koalitionskreisen.

An diesem Mittwoch bekommt der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns den Abschlussbericht der Sonderermittler auf den Tisch, die den umstrittenen Massenabgleich von Mitarbeiterdaten untersucht haben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ist auch eine Ablösung von Logistikvorstand Norbert Bensel im Gespräch. Die Bahn wollte sich auf Anfrage am Dienstagabend nicht äußern und verwies auf die Aufsichtsratssitzung und eine anschließende Pressekonferenz mit Grube und dem Aufsichtsratschef Werner Müller.

Der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner sagte der dpa, der Sonderermittlerbericht werde zeigen, ob andere Vorstandsmitglieder juristisch Verantwortung für den Datenabgleich trügen. "Ich gehe aber ganz bestimmt davon aus, dass es unterhalb des Vorstandes zu personellen Veränderungen kommen wird." So könnten der Leiter der Konzernrevision, Josef Bähr, und Sicherheitschef Jens Puls "aus unserer Sicht diesen Job nicht mehr machen. Die sind so tief im System verstrickt, dass man da einen Neuanfang machen muss."

Auch in Koalitionskreisen wurde darauf verwiesen, Grubes Auftritt kürzlich im Verkehrsausschuss des Bundestags habe deutlich gemacht, dass es zumindest auf der zweiten Ebene Personaländerungen geben wird. "Er muss vermeiden, dass alte Strukturen bestehenbleiben." Grube will nach der Aufsichtsratssitzung auch den Ausschuss unterrichten.

Mehdorn hatte Ende März nach immer neuen Vorwürfen und massivem politischen Druck seinen Rücktritt erklärt. Er hat mehrfach betont, der Vorstand habe zu keinem Zeitpunkt Datenabgleiche, Untersuchungen von E-Mails, Aufträge an Detekteien oder Verstöße gegen geltendes Recht veranlasst und auch nicht davon gewusst. Wie Mehdorn verlässt Margret Suckale, Personalvorstand der Transporttochter DB Mobility Logistics, den Konzern. Sie wechselt als Personalmanagerin zum Chemieriesen BASF. Als frühere Leiterin der Bahn-Rechtsabteilung waren auch gegen sie Vorwürfe im Zusammenhang mit der Affäre laut geworden.

Bensel war von 2002 bis 2005 bereits Personalvorstand der Bahn. Laut "Süddeutsche" war offen, ob er "sofort oder erst im Verlauf der kommenden Monate" gehen solle. Offen ist auch, ob der gesundheitlich angeschlagene jetzige Personalvorstand Norbert Hansen bleibt. Hansen hatte durch seinen direkten Wechsel von der Spitze der Bahngewerkschaft Transnet auf den Posten des Personalvorstands für Unmut gesorgt.

Bei der Aufsichtsratssitzung wollen die Prüfgesellschaft KPMG sowie die Ex-Bundesminister Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin Abschlussberichte vorlegen. Grube hatte angekündigt, Konsequenzen aus den Massenüberprüfungen der Daten von bis zu 170.000 Mitarbeitern zu ziehen. Er will die Affäre bis 1. Juni aufklären.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx