Topmanager Die Krise aussitzen

In der Krise stehen börsennotierte Konzerne nach einer aktuellen Studie zu ihren Führungskräften. Die meisten Unternehmen halten am bewährten Personal fest. Heikel war das vergangene Jahr allerdings für Topmanager aus der Finanz- und Energiebranche.
Von Esther Wiemann

Hamburg - Trotz der weltweiten Krise halten in Deutschland viele Unternehmen zu ihren Chefs. Im vergangenen Jahr mussten im deutschsprachigen Raum 5,3 Prozent der Topmanager gegen ihren Willen den Posten verlassen - das sind etwas weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt wechselten 17 Prozent der Manager ihren Job - 2007 waren es noch 19,7. Das zeigt eine Studie der Strategieberatung Booz & Company. In Europa sank die Fluktuation in der Chefetage im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent und in den USA um 0,5 Prozent.

Für diesen Befund gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten: "Der eigentliche Durchschlag der Krise könnte erst in diesem Jahr kommen", sagt Stefan Eikelmann, Deutschlandchef von Booz & Company. Denn das Jahr 2008 war für viele Unternehmen eher ein Übergangsjahr mit noch zwei bis drei guten Quartalen. Wahrscheinlicher sei aber, dass viele Aufsichtsräte in der Krise an dem bewährten Personal festhielten. Bei der Rezession habe es sich um einen externen Schock gehandelt, auf den die Firmenchefs oftmals keinen Einfluss gehabt hätten, erklärt Eikelmann.

Für die Studie wurden die Daten von den 2500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen ausgewertet, darunter auch 300 im deutschsprachigen Raum. Die Mehrzahl der Chefwechsel erfolgt hier auch in diesem Jahr noch geplant (10,7 Prozent). 1 Prozent ergaben sich aufgrund von Fusionen.

Vor allem in Asien mussten die Chefs gehen

Damit haben es Spitzenmanager in Deutschland nach wie vor schwer: In vielen anderen Ländern wechseln die CEOs deutlich seltener. Weltweit lag die Quote bei 14,4 Prozent - 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Vor allem in Asien mussten viele Chefs gehen: In Japan stieg die Quote um 6,3 Prozent auf 16,9 Prozent und im Rest von Asien um 3,8 Prozent auf 13,2 Prozent. "Die Asiaten folgen stärker den globalen Trends. Hinzu kommt, dass die japanische Wirtschaft seit etwa eineinhalb Jahren in der Krise ist", erklärt Eikelmann.

Besonders heikel für Topmanager waren im vergangenen Jahr die Finanzmarkt- und Energiebranche. Wenig überraschend: Mit einer CEO-Wechselquote von 20,8 Prozent im deutschsprachigen Raum und 18 Prozent weltweit gab es im Finanzsektor ein Rekordhoch. "Aufgrund der extremen Umbruchsituation durch die Finanzkrise mussten hier besonders viele Chefs ihren Posten räumen", sagt Eikelmann. Viele Führungswechsel gab es außerdem in der Energiebranche mit deutschlandweit 20 Prozent und 18,3 Prozent auf der ganzen Welt.

Zaghafte Hausgewächse

Grundsätzlich muss schlechte oder besonders gute Leistung aber nicht unbedingt zum Wechsel führen. Denn in Krisenzeiten sei die Leistung eines CEOs schwierig zu bestimmen, sagt Eikelmann. Vor allem in den USA wird in der aktuellen Wirtschaftskrise daher auf Erfahrung gesetzt: Die Chefs blieben rund 7,9 Jahre im Amt - so lange wie noch nie zuvor. Mit fast 53 Jahren waren sie im Schnitt fast zwei Jahre älter als im vergangenen Jahr.

Nur vier Frauen unter den neuen Chefs

Etwa 48,2 Jahre alt waren die neu eingestellten Chefs im deutschsprachigen Raum im Durchschnitt. Damit sind sie 2,3 Jahre jünger als ihre Vorgänger bei Amtsantritt. Die ausgeschiedenen Vorstandschef blieben rund 5,5 Jahre im Amt und schieden im Schnitt mit 56 Jahren aus.

Dabei erzielten Outsider, also Chefs, die von einem anderen Unternehmen auf den Führungsposten wechselten, im deutschsprachigen Raum wesentlich bessere Ergebnisse als Insider, die ihre Karriere innerhalb des Unternehmens begonnen hatten. Chefs von außerhalb brachten für die Aktionäre im Schnitt 6 Prozent mehr Wert ein. Überraschend ist vor diesem Hintergrund, das Outsider wesentlich häufiger zum Ausscheiden gedrängt wurden (40 Prozent) als Insider (32 Prozent).

Weniger überraschend dagegen: In den obersten Etagen der Unternehmen sitzen nach wie vor wenige Frauen. Unter den 361 CEOs, die weltweit ihr Amt antraten, befanden sich 2008 nur vier weibliche Chefs.

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