Gehaltsgrenze Ausnahme für den neuen LBBW-Chef

500.000 Euro im Jahr sollen die LBBW-Banker maximal verdienen. Das hat der Stuttgarter Landtag beschlossen. Für den künftigen Bankchef Hans-Jörg Vetter wird eine Ausnahme gemacht. Begründung des Ministerpräsidenten: Der "neue starke Mann" wäre sonst nicht gekommen.

Reutlingen - Der designierte neue Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Hans-Jörg Vetter, wird mehr verdienen als die vom Landtag im März festgelegten 500.000 Euro pro Jahr. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte am Dienstag in Reutlingen, seine Suche nach einem "neuen starken Mann" für die LBBW wäre mit diesem Deckelbetrag aussichtslos gewesen. Es sei mit allen Beteiligten besprochen, dass der Beschluss des Landtags "nicht die Vorgabe bleibt".

Vize-Regierungschef Ulrich Goll (FDP) bestätigte, diese Entscheidung "hat natürlich unsere Unterstützung gehabt". Vetter, bisher Chef der Landesbank Berlin (LBB), soll Nachfolger von LBBW-Chef Siegfried Jaschinski werden.

Die baden-württembergische Landesregierung hat eine Landeslösung zur Abschirmung von Risiken bei der LBBW auf den Weg gebracht. Wie Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) mitteilte, stimmte der Ministerrat dem Landeskonzept zu. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass die LBBW doch noch von einer Bundeslösung Gebrauch mache. Dies hänge von den Entscheidungen der Bundesregierung zur weiteren Stabilisierung des Finanzmarkts in den kommenden Tagen ab. Das Landeskonzept sieht vor, für Risikopapiere der LBBW Garantien bis zu 12,7 Milliarden Euro zu geben.

Vetter wird wohl erst in rund vier Wochen wechseln. "Ich selbst werde meine Aufgaben in der LBB aus heutiger Sicht bis zur Hauptversammlung Anfang Juni wahrnehmen", schrieb Vetter in einem Brief an die Mitarbeiter. Das Aktionärstreffen findet am 9. Juni statt. Ein Sprecher des Berliner Konzerns sagte am Montag, der Termin für Vetters Abschied sei noch offen. Der Sparkassendachverband DSGV, dem fast 100 Prozent der Landesbank Berlin gehören, äußerte sich nicht dazu.

Die Eigentümerversammlung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte sich am Freitag für Vetter als Nachfolger von Siegfried Jaschinski ausgesprochen. Vor allem die FDP hatte auf die Ablösung Jaschinskis an der Spitze von Deutschlands größter Landesbank gepocht und damit den größeren Koalitionspartner CDU unter Druck gesetzt.

Vetter hatte die ehemalige Bankgesellschaft nach ihrem Immobilienskandal wieder auf Kurs gebracht und kehrt Berlin nach rund siebeneinhalb Jahren nun den Rücken. "Es war die schönste Zeit in meinem beruflichen Leben", schrieb Vetter an die Mitarbeiter und warb um Verständnis für seinen Wechsel. In Finanzkreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass einer der fünf übrigen LBB-Vorstandsmitglieder Vetter beerbt. "Die Schuhe sind für alle zu groß", sagte eine Person aus dem Umfeld des Unternehmens. Die LBB schrieb im vergangenen Jahr als eines der wenigen Institute in Deutschland schwarze Zahlen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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