Start-ups Das Gründeruniversum um Twitter

1382 Prozent Wachstum verzeichnete Twitter weltweit im vergangenen Jahr. Doch nicht nur der Microblogging-Dienst selbst steht im Fokus der Gründerszene. Viele neue Dienste um ihn herum erblicken fast täglich das Licht der Onlinewelt. Welche Chancen bietet das Twitter-Universum für Gründer?
Von Tobias Kollmann

Spätestens seit dem legendären Onlinewahlkampf von Barack Obama ist das Twittern in aller Munde. Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein Microblogging-Dienst. Hier können Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen gesendet und die Nachrichten durch andere Benutzer empfangen werden. Die aktive Push-Vernetzung zwischen den Teilnehmern wird durch das Abonnieren der Twitter-Kanäle anderer User erreicht, die passive Pull-Vernetzung durch den offenen Abruf der personalisierten Twitter-Webseite im Internet.

Im Hinblick auf den Effekt für die Gründerlandschaft ist im Zuge des Twitter-Hypes eine interessante Beobachtung zu machen: Während andere, scheinbar erfolgsversprechende Gründungen in der Vergangenheit sofort die konkurrierende Me-too-Plattformen nach sich zogen, können rund um Twitter neben diesen Versuchen aber auch fast jeden Tag sogeannte Subgründungen beobachtet werden. Sie docken friedlich an das Mutterschiff an.

Diese Start-ups versuchen mit Zusatzapplikationen das Twitter-Universum zu bedienen und Nutzer für ihren Dienst zu gewinnen mit Vorteilen für alle Beteiligten. Twitter profitiert von neuen Mehrwerten rund um das Kerngeschäft, ohne hierfür eigene Entwicklungskosten aufzubauen. Die zusätzlichen Dienste steigern zudem den Nutzungs- und Attraktivitätsgrad des Basisdienstes. Die Betreiber der Twitter-Dienste greifen auf ein funktionierendes Kernprodukt mit enormer Nutzerbasis zurück, ohne dieses selbst zu betreiben oder zu bewerben.

Der Twitter-Nutzer profitiert von den neuen Möglichkeiten zur Nutzung des Mikro-Blogging-Dienstes im Hinblick auf die bessere Verwendung. Technisch möglich wird die Integration der Applikationen (sogenannten Apps) von Drittanbietern über die von Twitter zur Verfügung gestellte API (Application Programming Interface), also die Programmierschnittstelle des Twitter-Universums. Jede neue Applikationen steigert die Popularität von Twitter.

Entsprechend sind die Gründungen, die sich der Twitter-Technik bedienen, so zahlreich wie vielfältig: Während man mit Tools wie Twitmatic, Tweetube, Listento.fm oder Twisten.fm seine Lieblingsvideos und Musik twittern kann, bieten Tools wie Twazzup, Tweet-rank, Twitalyser Tweeterate, Micro Plaza und Mylife die Möglichkeit, das Twitter-Universum nach Personen zu durchsuchen, deren Nachrichten zu bewerten und seine eigenen Twitter-Aktivitäten zu analysieren.

Wie macht Twitter den Erfolg zu Geld?

Erwähnenswert ist sicherlich auch das Unternehmen Exec Tweets, welches ein Verzeichnis von Topmanagern ist, die auf Twitter vertreten sind oder Twestival, auf dem User Festivals für Twitter-Communities organisieren, die Geld für wohltätige Zwecke zusammenbringen. Aber auch mobile Zugriffsdienste sind sehr beliebt: So kann für 2,39 Euro als einmalige Downloadgebühr mit dem Programm Tweetie über das iPhone getwittert werden. Alternativen sind hier Twittelator oder Twitterrific.

Zumindest bei den letzten beiden Unternehmen wäre die Frage nach der Monetarisierung der Subgründungen geklärt, während dies bei vielen anderen Diensten noch nicht der Fall ist. Twitter selbst macht noch keinen Umsatz, plant aber gebührenpflichtige Premiumaccounts, um seine direkten Einnahmen zu sichern.

Dass der Microblogging-Dienst aber auch schon heute bereits kommerziell genutzt wird, zeigen Unternehmen wie das Berliner Start-Up Magpie, das Twitter-Nutzer für Werbeanzeigen in ihren Tweets bezahlt. Ein weiteres Beispiel ist Twitpub, bei dem Twitterer ihren Zugang zu ihren Updates, den sogenannten Tweets, verkaufen können.

So oder so zeigt sich, dass das Twitter-Universum zahlreiche Chancen für kleine Gründer bietet, sich an dem Erfolg von Twitter zu beteiligen. Inwieweit dieser Erfolg stabil bleiben wird, wird sich wie immer erst in der Zukunft zeigen.

Es versteht sich abschließend von selbst, dass auch der Autor dieses Beitrags aktiv im Twitter-Universum unterwegs ist.  Ob er dabei einmal von dem gerade gestarteten Angebot der Subgründung Tweexchange Gebrauch machen wird, bei dem man, analog zum bekannten Domainhandel, seinen Twitter-Account zu Geld machen und die Adresse weiterverkaufen kann, bleibt abzuwarten. Genau so, wie man den allgemeinen wirtschaftlichen Erfolg aller Aktivitäten von und um Twitter herum noch abwarten muss. Aber auch das war ja schon immer so.

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