HSH Nordbank Strafanzeige gegen Ex-Vorstand Roth

Die HSH Nordbank hat eine Strafanzeige gegen das beurlaubte Vorstandsmitglied Frank Roth angekündigt. Es bestehe ein hinreichender Anfangsverdacht, dass Roth vertrauliche Strategieunterlagen Dritten zugänglich gemacht hat. Aus der Politik werden bereits Forderungen nach einer Neubesetzung aller Spitzenpositionen laut.

Hamburg - Das suspendierte Vorstandsmitglied Frank Roth soll "streng vertrauliche, interne Strategieunterlagen" weitergegeben haben. Das sei als unbefugtes Offenbaren von Geschäftsgeheimnissen nach dem Aktiengesetz strafbar.

Roth musste am Vortag seinen Stuhl räumen, weil der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats eine weitere Zusammenarbeit mit Roth für "unzumutbar" hielt. Der 49-Jährige war erst seit Juli 2008 im Vorstand der HSH Nordbank und für die Segmente Revision, Personal und IT zuständig. Die HSH Nordbank musste nach Milliardenverlusten im vergangenen Jahr unter den Schirm des Rettungsfonds Soffin flüchten. Zuletzt hatten Hamburg und Schleswig-Holstein die Landesbank mit einer Finanzspritze über drei Milliarden Euro und Garantien über zehn Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Angesichts des Rauswurfs fordern Politiker bereits eine Neubesetzung aller Spitzenpositionen. "Eine Neubesetzung der Spitzenpositionen in Vorstand und Aufsichtsrat ist überfällig", sagte der Hamburger SPD-Finanzpolitiker Peter Tschentscher am Freitag. Die mutmaßlichen Hintergründe für Roths Beurlaubung seien ein weiterer Beleg dafür, "dass Aufsichtsrat und Anteilseigner die entscheidenden Fragen der Bank weder im Blick noch im Griff haben". Eine erfolgreiche Fortführung der HSH Nordbank brauche neues Vertrauen, ergänzte Tschentscher.

Die HSH Nordbank wollte erneute Spekulationen nicht kommentieren, wonach auch Stühle anderer Vorstandsmitglieder wackelten. An solchen Spekulationen beteilige sich das Institut grundsätzlich nicht, sagte die Sprecherin. Der Aufsichtsrat hat eine Anwaltskanzlei damit beauftragt zu prüfen, ob heutige und frühere Vorstandsmitglieder stets ihren Pflichten bei der Geschäftsführung nachgekommen sind. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ap

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.