Dienstag, 17. September 2019

manager-lounge Mehr Managerinnen, mehr Gewinn

Headhunter Heiner Thorborg fordert die hierzulande meist männlich dominierten Unternehmen auf, endlich mehr Frauen in ihre Führungsetagen zu setzen. Sein bestes Argument: Je mehr Frauen sich im Vorstand finden, desto höhere Gewinne erwirtschaften Firmen gegenüber dem Branchendurchschnitt.

Amüsierte Mienen und gleichgültige Aussagen erntet Topheadhunter Heiner Thorborg meistens, wenn er in Deutschlands Führungsetagen nach weiblichen Spitzenmanagerinnen fragt: "Die gibt's hier nicht."

Women Matter: Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Vorstand erwirtschaften um 48 Prozent höhere Gewinne als der Branchendurchschnitt
"Die Herren sollten erkennen, was ihnen entgeht. Vielfalt in Unternehmen ist nicht nur betriebswirtschaftlich höchst sinnvoll!", appellierte Thorborg an die überwiegend männlichen Zuhörer jüngst bei einer Veranstaltung der local lounge in Frankfurt.

Den rein rechnerischen Vorteil fasst die 2008 erneut aufgelegte McKinsey-Studie "Women Matter" wie folgt zusammen: Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Vorstand erwirtschaften um 48 Prozent höhere Gewinne als der Branchendurchschnitt.

Sinnvoll, wenn nicht sogar unbedingt geboten ist ein höherer Frauenanteil ebenfalls aus einer simplen volkswirtschaftlichen Logik heraus: der Überalterung der deutschen Gesellschaft. Woher sollen denn all die versierten Führungskräfte kommen, um die deutsche Wirtschaft im globalen Wettstreit im Rennen zu halten?

Da verwundere es schon, dass so wenige Firmen den aktiven Aufbau weiblicher Führungskräfte förderten und für äquivalente Aufstiegsbedingungen für Männer und Frauen sorgten, sagte Thorborg. Diesbezüglich lieferte der "Gender Gap Report 2008" des World Economic Forum kürzlich erschreckende Zahlen. Lagen die Deutschen hier in puncto Gleichstellung und Chancengleichheit 2006 noch auf Rang fünf, schaffen sie es heute nicht mehr unter die Top Ten - die Entwicklung geht auf den Philippinen schneller voran, als in Deutschland.

Was ist das zentrale Problem? Ist es die viel beschriene Glasdecke, die Frauen ab einer bestimmten Karriere- und Gehaltsstufe nicht durchbrechen können? Oder sind Frauen womöglich selbst schuld?

Monika Henn, Managementtrainerin aus Bonn, ging diesen Fragen in Ihrer Studie "Frauen können alles - außer Karriere", kürzlich erschienen im Harvard Businessmanager, auf den Grund. Laut ihren Aussagen besitzen Frauen in Führungspositionen enorm positive und wirkungsvolle Führungseigenschaften, wie eine ausgeprägte Flexibilität und Teamorientierung. Andere Managementfähigkeiten sind allerdings weniger ausgeprägt, wie zum Beispiel Durchsetzungsstärke oder Belastbarkeit. Auch das richtige Konkurrenzverhalten und Selbstmarketing müssten viele Frauen erst lernen, daher "brauchen sie hier deutlich mehr Entwicklungs- und Unterstützungsarbeit", so Henn.

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