US-Studenten Ferienjob beim Geheimdienst

In den USA ködern die Geheimdienste junge Studenten mit "Sommerjobs". Zwölf Tage lang dürfen 30 glückliche Patrioten die Agentenarbeit in der Praxis erproben - Zugriff auf geheime Dokumente inklusive. Erst aber gilt es, einen Sicherheitscheck zu überstehen, der sich gewaschen hat.

Washington - Die US-Sicherheitspolitik funktioniert nicht ohne ihre geheimen Dienste und Polizeibehörden: Allzeit bereit sind die Geheimdienste National Security Agency (NSA) und Central Intelligence Agency (CIA), die Bundespolizei, aber auch die geheimdienstlichen Abteilungen der Küstenwachen sowie die Streitkräfte. Sie kämpfen im In- und Ausland gegen die möglichen Feinde Amerikas - und brauchen ständig Nachwuchs.

Deshalb könnten sich US- Studenten in diesem Sommer, statt zu kellnern oder zu gärtnern, um einen besonders spannenden Ferienjob bewerben, sagte der US-Geheimdienstler Dennis Blair in Washington. Als Direktor der nationalen Geheimdienste biete er 30 jungen Amerikanern für knapp zwei Wochen einen Job im Dienst der USA an. Gefragt seien intelligente und motivierte Studenten ab 21 Jahren - US-Bürger mit guten Noten, die problemlos eine Sicherheitsprüfung durchlaufen könnten.

Diese Sicherheitsprüfung für einen vermeintlichen, gut bezahlten Ferienjob hat es allerdings in sich. Wer gewissenhaft alle 25 Seiten der Fragebögen ausfüllt hat, über den weiß die geheime US-Behörde praktisch alles.

So stimmt der Bewerber mit seiner Unterschrift zu, dass der Geheimdienst seine kompletten Bank- und Schuldnerdaten abfragen darf. Es folgen Fragen wie: Wo und was haben Sie gearbeitet? Wie lange haben Sie welche Schulen und welche Unis besucht? Wo haben Sie gewohnt, und aus welchem Grund wechselten sie den Job? Waren Sie im Ausland, und wenn ja, warum? Und zu beinahe jedem Punkt: Wer kann all das bezeugen?

Diese Informationen ("aber nicht nur diese") werden die Geheimdienstmitarbeiter auch direkt bei den auf den vielen Blättern eingetragenen Personen überprüfen, heißt es weiter. Und das sind so einige: Eltern und Geschwister, Onkels, Tanten und Cousins muss der Bewerber mitsamt der aktuellen Adressen eintragen.

Ist der Kandidat ein guter Student? Fehlte er in Vorlesungen eher morgens oder abends? Stimmt es, dass er nie Drogen genommen und noch nie Schulden nicht bezahlt hat? Neben den Verwandten können ausgehorcht werden: Arbeitgeber, Vorgesetzte, Weisungsbefugte. Hinzu kommen ehemalige und aktuelle Lebensgefährten und Ehepartner sowie Vermieter oder Unidozenten.

Eine Art Assessment Center

Zur perfekten Bewerbung braucht es außerdem drei weitere Menschen ("keine Verwandten oder Ehepartner"), die den Bewerber "gut kennen", also etwa Kollegen, Sportskameraden oder Freunde, wie die Behörde vorschlägt. Allesamt sind mit vollständigen Kontaktdaten für eventuelle Rückfragen anzugeben.

Was die Geheimdienstler von Interessenten ebenfalls erfahren wollen: Waren sie jemals in psychologischer Behandlung, und wenn ja, warum? Der Formularhaufen endet mit dem schriftlichen Einverständnis zur Aufhebung der Schweigepflicht für alle Ärzte, inklusive Psychologen oder Psychiater.

Das voluminöse Verfahren nach dem sogenannten Standard Form 86 der USA zeigt: Es geht hier keineswegs um einen simplen Ferienjob - es geht um die Rekrutierung junger Akademiker für die Geheimdienste. Die zwei Wochen in Washington D. C. sind ein Assessment Center wie aus dem Bilderbuch. In einem Brief schreiben der Geheimdienstanalyst Peter R. Lavoy und Personalchef Ronald Sanders an ihre "lieben Kollegen", sie mögen doch "außergewöhnliche Studenten identifizieren" und sie "ermutigen, die Bewerbungsunterlagen auszufüllen".

Hinter der "Ferienjob"-Aktion stehen, wie bei anderen Geheimdiensten auch, offenbar die Sorgen um den Agentennachwuchs. Vor einem Jahr startete das Büro des Geheimdienstkoordinators schon einmal einen Aufruf damals vor allem an Frauen, Schwarze und Studenten mit Spezialkenntnissen - etwa den religionsaffinen Ingenieur, der nebenbei noch Urdu spricht.

In Großbritannien wagte der Geheimdienst im letzten Sommer sogar ein Coming-out und bekannte, es gebe zu wenig schwule Geheimdiener. In der Absolventenzeitschrift eines schwulen Lobbyverbandes ließ sich der MI 5 als schwulenfreundlicher Arbeitgeber auflisten, wie die Zeitung "Daily Telegraph" berichtete.

Die 30 am Ende auserwählten und gründlich durchleuchteten Studenten in den USA sollen Mitte Juli an einem Trainingsprogramm teilnehmen. In diesen zwölf Tagen dürfen sie auch Dokumente mit der dritthöchsten Geheimhaltungsstufe "Secret" einsehen.

Auf dem Programm stehen zum Beispiel der Besuch von Konferenzen und Studienreisen zu den einzelnen US-Sicherheitsbehörden, aber auch Aufklärungsarbeit "unter Aufsicht von Analytikern der Geheimdienste". Für den Mini-Geheimdiensteinsatz sind Unterkunft, Reisekosten und Verpflegung frei, am Ende winkt ein üppiges Honorar von 1000 Dollar.

Ob die Studenten später auch bei einer der geheimen Behördenstellen anheuern dürfen, das steht im Werbeschreiben des Direktors Blair nicht direkt. Im Brief von Lavoy und Sanders an die Mitarbeiter heißt es aber, "auf der Suche nach talentierten Führungspersonen" sei das Sommerseminar der "National Intelligence" ein nützliches Werkzeug. Es werde den hervorragenden Studenten die Chance bieten, "analytische Geheimdienstarbeit in der Praxis auszuprobieren" - in der Hoffnung, dass sie sich danach für "eine Karriere beim Geheimdienst interessieren".

Kellnern mag schlechter bezahlt sein - aber es ist deutlich unverbindlicher.

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