Luftverkehrskaufmann Ein Beruf mit Bodenhaftung

Fliegen geht nicht ohne Piloten - aber auch nicht ohne Luftverkehrskaufleute. Egal, ob Fracht transportiert oder Urlauber an ihr Ziel gebracht werden sollen, fast immer sind sie an der Logistik dahinter beteiligt. Ein Berufsporträt.

"Der Luftverkehrskaufmann arbeitet nahe am Fluggeschehen in allen Bereichen", sagt Wolfgang Haas, Ausbildungsleiter bei der Fraport AG . Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens bildet nach eigenen Angaben als einzige Einrichtung in Deutschland zum Luftverkehrskaufmann aus. Die Deutsche Lufthansa  bietet unter der gleichen Berufsbezeichnung eine Ausbildung mit berufsbegleitendem Studium an.

Luftverkehrskaufleute kümmern sich um kaufmännische Fragen rund um den Flughafenbetrieb. Sie verkaufen Flugpassagen, disponieren Crew-Einsätze und stellen Streckenunterlagen zusammen, erklärt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. "Sie sind Kaufleute in einer der faszinierendsten Branchen", sagt Christoph Fay, der bei der Lufthansa die Bereiche Hochschulmarketing und Nachwuchsführungskräfteprogramme leitet. Neben der organisatorischen Abfertigung von Flugzeugen müssen Luftverkehrskaufleute auch Frachtkapazitäten planen und Zollformalitäten erledigen können.

Manchmal arbeiten sie am Check-In-Schalter. Auch das Beschaffen von Treibstoff und Ersatzteilen zählt zu ihren Aufgaben. Dabei stehen sie in Kontakt mit den Crews, dem Bodenpersonal und den Passagieren. Bei allem behalten sie Bodenhaftung: "Der Luftverkehrskaufmann fliegt nicht", betont Haas. Sein Metier bleibt das Kaufmännische.

Bewerber mit Abitur sind klar im Vorteil: Bei Fraport trifft das für mehr als neun von zehn Auszubildenden zu. Das liegt auch an den Anforderungen an Fremdsprachenkenntnisse: "Englisch ist die zentrale Sprache im Luftverkehr", sagt Wolfgang Haas. Interessen müssen kommunizieren und sich mit unterschiedlichen Kulturen befassen wollen. Das BIBB empfiehlt darüber hinaus gute Mathematik- und Wirtschaftskenntnisse. Lufthansa nimmt nur Bewerber mit Hochschulreife und schickt sie durch ein Auswahlverfahren.

Angehende Luftverkehrskaufleute lernen, wie man Fluggäste, Luftpost und Luftfracht abfertigt. Sie beschäftigen sich mit dem internationalen Luftverkehr und seinen Fachausdrücken, erfahren Wissenswertes über Flugzeugtypen und berufsbezogene Geografie. Auch mit Zollverfahren, der Versicherung und der Werbung machen sie sich vertraut. Das Bedienen des Fernschreibers im Nachrichtendienst des Luftverkehrs und Buchhaltung runden die Lehre ab. Fraport schickt die Azubis zu einem vierwöchigen Praktikum nach Saudi-Arabien, in die Türkei oder Bulgarien. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre.

Die Lufthansa bezahlt ihren angehenden Fachkräften ein Studium an der European Business School mit Sitz in Oestrich-Winkel. Dort wird auf Englisch gelehrt. Von insgesamt 156 Ausbildungswochen sind 41 Wochen für die Praxis reserviert. Ein Semester verbringen Studenten im Ausland. Das dreijährige Studium schließt mit dem Bachelor in Aviation Management ab. Die Lufthansa bemüht sich gemeinsam mit Partnern beim Bundesbildungsministerium um das Nachbessern des Berufsbildes. Möglich sei, dass die Berufe Luftverkehrskaufmann und Servicekaufmann im Luftverkehr über kurz oder lang zusammengelegt werden, sagt Benedict Peppinghaus vom BIBB. Das ist allerdings nicht unumstritten.

Wer eine Ausbildung als Luftverkehrskaufmann macht, hat vergleichsweise gute Aussichten. Lufthansa bildet nur für den eigenen Bedarf aus. Fraport stellt in der Regel alle Azubis zunächst für ein Jahr ein. "Wer sich bewährt, bekommt einen unbefristeten Vertrag", sagt Haas. Für knapp jeden zweiten Fraport-Absolventen schließt sich an die Lehre ein Studium der Betriebswirtschaft an, oft berufsbegleitend. Das ebnet den Weg ins Ausland oder Management.

Katlen Trautmann, dpa