Studiengebühren Eine Vier minus für Hochschulen

Vor zwei Jahren führten die ersten Bundesländer Studienbeiträge ein. Über die Verwendung der gezahlten Beiträge sind die Studierenden einer Befragung zufolge alles andere als begeistert. Die mangelnde Informationspolitik der Hochschulen schürt Misstrauen, viele Gelder fließen zudem in andere Kanäle.

Frankfurt/Main - Vor zwei Jahren führten die ersten Bundesländer allgemeine Studiengebühren in Höhe von meist 500 Euro pro Semester ein. Vorausgegangen war ein jahrelanger Kampf gegen solche Gebühren, auch heute noch gibt es Kritik - in Hessen wurden die "Studienbeiträge" nach einem Semester von der damaligen linken Mehrheit im Landtag wieder abgeschafft. Doch wie zufrieden sind die Studierenden an den betroffen Hochschulen mit den Verbesserungen, die ihnen Gebührenbefürworter versprochen hatten?

Eine Antwort darauf gibt der "Gebührenkompass 2008", den der Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim erstellt hat. Demnach waren zum Zeitpunkt der Befragung im Mai 2008 die Studierenden alles andere als begeistert über die Verwendung der von ihnen gezahlten Gelder: Auf einer Schulnotenskala von "eins = sehr zufrieden" bis "sechs = sehr unzufrieden" lag die durchschnittliche Zufriedenheit bei 4,55 und damit bei "ausreichend bis mangelhaft".

Dabei sind die Studierenden ausnahmslos an allen Hochschulen, die Gebühren erheben, eher unzufrieden - nirgends lag der Wert der durchschnittlichen Zufriedenheit über 3,5.

Für den Gebührenkompass wurden 6100 persönliche Interviews an den 54 Gebühren erhebenden Universitäten geführt. Aktuelle Daten werden wieder im kommenden Mai erhoben.

Die Erhebung zeigt etwa, dass die Zufriedenheit mit der Verwendung der Gebühren im Süden, nämlich Bayern und Baden-Württemberg, etwas größer ist als in Hamburg und Nordrhein-Westfalen.

Und vor allem zeigt sich auch, dass die Unzufriedenheit von fehlender Transparenz kommt: 85 Prozent der Befragten fühlten sich nicht ausreichend darüber informiert, was mit ihrem Geld eigentlich passiert. Auf der Skala von eins bis sechs lag die Zufriedenheit mit der Transparenz bei 4,7.

Information wirkt sich auf Akzeptanz aus

Die Informationspolitik der Hochschulen wirkt sich aber auch auf die Akzeptanz der Studiengebühren aus: So zeigt der Gebührenkompass, dass nur diejenigen Studierenden, die angemessen über die Verwendung ihrer Gebühren informiert wurden, auch daran glauben, dass sich durch diese die Studienbedingungen verbessern. Sie sind dann auch tendenziell zufriedener damit, dass es überhaupt solche Gebühren gibt und wie sie verwendet werden.

Ähnliche Ergebnisse brachte eine Untersuchung zur Verwendung von Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen, die das dortige Innovationsministerium 2008 beim Deutschen Studentenwerk und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Auftrag gab. "Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass zwar die Hochschulen die Gebühren dem Gesetzestext folgend zweckentsprechend verwendet haben, dass es aber bei den Studierenden erhebliche Akzeptanzprobleme gibt", sagt der Generalsekretär des Studentenwerks Achim Meyer auf der Heyde. Es habe sich gezeigt, dass die Ablehnung vor allem mit fehlendem Wissen über die Verwendung zusammenhänge. "Das zeigt, dass es ganz wichtig ist, dass die Hochschulen gezwungen werden, die Verwendung transparenter zu machen", sagt Meyer auf der Heyde.

Die Untersuchung von Studentenwerk und Stifterverband zeigt zwar, dass die Gebühren überwiegend tatsächlich wie vorgesehen in die Verbesserung der Lehre flossen: Zum größten Teil wurden sie für die Verbesserung der Betreuung der Studierenden, Investitionen in studentische Arbeitsplätze und die Ausstattung mit Material und bessere Bibliotheksöffnungszeiten verwendet. Allerdings kommt es auch immer wieder zu Streit über die genaue Verwendung, die die Landeshochschulgesetze und die Richtlinien der Hochschulen vorschreiben.

Geld könnte besser genutzt werden

So ärgert sich etwa der Asta an der Universität Saarbrücken darüber, dass gegen den Willen der Studierenden ein Uni-Gebäude mit Gebührengeldern aufgestockt werden solle. Generell seien mit den Gebühren im Saarland bisher zwar "einige Dellen und Schlaglöcher bei der medialen Ausstattung" der Hochschulen ausgeglichen worden, wie der Asta-Vorsitzende Wael Hamdan sagt. Allerdings befürchten die Studierenden, dass das Geld auch für Maßnahmen verwendet wird, für die eigentlich die Landesregierung zuständig sei - oder in einer Panikreaktion ausgegeben wird, damit es nicht wegen der strengen Vorschriften für die Verwendung nutzlos herumliegt.

Ähnliche Kritik richtet die SPD in Niedersachsen an die Landesregierung: Anfang März kritisierte die Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta, die Hochschulen hätten im Studienjahr 2007 Gebühren in Höhe von 92 Millionen Euro eingenommen, davon aber nur 46 Millionen ausgegeben. "Wenn die Hochschulen nur jeden zweiten Euro für die Verbesserung von Studium und Lehre ausgeben, haben sie offenbar keine sinnvolle Verwendung für das Geld aus Studiengebühren", sagte Andretta. Auch Meyer auf der Heyde kritisiert, dass sich die Hochschulen teilweise "sehr sklavisch an das Gesetz halten". Mit den Geldern könnten "viel mehr innovative Projekte gefördert werden", fordert er.

Mirjam Mohr, ap