Boni Dresdner Bank droht Klagewelle

Tausende Dresdner-Banker könnten Boni einklagen. Laut einem Magazinbericht hat der Betriebsrat ein Rechtsgutachten bestellt, das den Anspruch der Angestellten auf die Erfolgsprämie bekräftigt. Politisch bewegt sich die neue Konzernmutter Commerzbank allerdings wegen der Staatshilfe auf dünnem Eis.

Hamburg - Bei der Dresdner Bank droht möglicherweise eine Klagewelle von Mitarbeitern wegen entgangener Bonuszahlungen. Nach Einschätzung eines Gutachters haben tausende Mitarbeiter der inzwischen von der Commerzbank  geschluckten Frankfurter Großbank gute Chancen, entgangene Zahlungen einzuklagen, wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL am Samstag vorab berichtete. Die Kürzung der Bonuszahlungen für die Dresdner-Mitarbeiter durch die Commerzbank sei nicht gerechtfertigt, heißt es demnach in dem Gutachten des Berliner Arbeitsrechtlers Helmut Platow für den Gesamtbetriebsrat der Dresdner Bank.

Ein Sprecher der Bank bestätigte, dass es das Gutachten gibt, wollte sich inhaltlich zu dem Thema aber nicht äußern. Im Herbst hatte der Dresdner-Bank-Vorstand den Mitarbeitern in einem Brief für 2008 Boni auf Vorjahresniveau zugesagt. Die Commerzbank, die die ehemalige Allianz-Tochter seit Anfang 2009 integriert, hatte mit Hinweis auf das schlechte Abschneiden im Krisenjahr 2008 die Boni für die Mitarbeiter der Gruppe gestrichen. In dem Gutachten heißt es laut SPIEGEL, politischer Druck und eventuelle Ungleichbehandlung mit Commerzbankern seien "keine rechtlich erheblichen Umstände", die den Widerruf der Zusage rechtfertigten.

Bisher hat die Commerzbank nach internen Schätzungen, nur etwa 200 Millionen Euro aus dem Bonuspool ausgezahlt. Der Löwenanteil ging an etwa 50 Investmentbanker, die individuelle Garantien erhalten hatten. Die nach Tarif bezahlten Angestellten hatten aus dem Topf nur eine einmalige freiwillige Anerkennungsprämie von 1000 Euro erhalten.

In den USA macht derweil ein neuer Boniskandal von sich reden. Mehr als 7600 Mitarbeiter der vom Staat geretteten US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae  und Freddie Mac  sollen mit Prämien im Umfang von 210 Millionen Dollar dafür belohnt werden, dass sie ihren Arbeitgebern treu bleiben. Die Prämien würden über einen Zeitraum von anderthalb Jahren ausgeschüttet, rund 50 Millionen Dollar (37 Millionen Euro) seien bereits gezahlt worden, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben der Bundesbehörde FHFA an den republikanischen US-Senator Charles Grassley. Die Federal Housing Finance Agency überwacht die beiden Immobilienfinanzierer.

FHFA-Direktor James Lockhart verteidigt in dem Schreiben die Boni als notwendig, denn "Humankapital" zu halten sei eine der "wichtigsten Herausforderungen" angesichts der Immobilienkrise. Die Unternehmen hätten jetzt fähiges und erfahrenes Personal nötig. Freddie Mac und Fannie Mae refinanzieren - vor allem nach der Massenpleite privater Hypothekenbanken - den Großteil der Immobilienkredite in den Vereinigten Staaten. Um einen Kollaps der beiden Unternehmen - und damit des gesamten US-Kreditmarkts - zu verhindern, hatte die US-Regierung im vergangenen September eingegriffen und Freddie Mac und Fannie Mae staatlicher Kontrolle unterstellt.

Erst kürzlich hatten die Bonuszahlungen in Höhe von 165 Millionen Dollar an Manager des Versicherungskonzerns AIG  für einen Sturm der Entrüstung in den USA gesorgt: AIG war von der Regierung mit etwa 180 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt worden. Inzwischen haben einige AIG-Manager die Rückzahlung von insgesamt 50 Millionen Dollar angekündigt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und afp

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