Nachfolge Regierung kürt Grube zum Bahn-Chef

Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll nach dem Wunsch der Bundesregierung neuer Chef der Deutschen Bahn werden. Nachdem sich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier auf Grube geeinigt haben, wird Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee Grube dem Bahn-Aufsichtsrat zur Wahl vorschlagen.

Berlin - Der Personalvorschlag, Grube zum Nachfolger von Hartmut Mehdorn zu machen, erfolge in Abstimmung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD), teilte das Bundesverkehrsministerium am Donnerstag mit. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) werde Grube dem Bahn-Aufsichtsrat zur Wahl vorschlagen.

Grube soll nach Angaben des Verkehrsministeriums wie der bisherige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nicht nur an die Spitze des DB-Konzerns rücken, sondern zugleich auch die Verkehrstochter DB Mobility Logistics (DB ML) führen. Damit werde der einheitliche Konzern auch in der Leitungsstruktur fest verankert, erklärte das Verkehrsministerium. Die DB ML soll nach den Vorstellungen der Bahn teilprivatisiert werden.

Tiefensee habe Grube am Mittwoch getroffen und auch den Chef des Bahn-Aufsichtsrats, Werner Müller, über die Personalie informiert, erklärte das Ministerium. Auch habe der Minister mit den Gewerkschaften Gespräche geführt.

"Die Einbindung der Mitarbeitervertretung in die Entscheidungsfindung ist von besonderer Bedeutung vor dem Hintergrund der tiefen Vertrauenskrise im DB-Konzern", so das Ministerium. Der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrates sollte sich den Angaben zufolge noch am Donnerstag mit dem Personalvorschlag der Bundesregierung befassen.

Der 57-jährige Grube ist derzeit Strategievorstand beim Autobauer Daimler und Verwaltungsratchef beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Sein Lebenslauf des weist einige Parallelen zu dem von Bahn-Chef Mehdorn auf. So kam auch der bisherige Mann an der Spitze des letzten großen deutschen Staatsunternehmens von EADS und war früher für die DASA tätig. Dort war Grube Assistent Mehdorns.

Gewerkschaften müssen noch zustimmen

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lobte Grube als "glänzenden Manager". "Er steht nicht im Verdacht, die Bahn zu repolitisieren. Wichtig ist, dass sich beide Parteien auf eine klare Managerpersönlichkeit geeinigt haben", sagte Steinbrück.

Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA erklärten, ihre Spitzengremien wollten sich ab Monat mit dem Personalvorschlag und dem Kurs der Bahn insgesamt beschäftigen. Vorher werde es weder eine Zustimmung der Gewerkschaften noch der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat geben, erklärten Transnet-Chef Alexander Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel.

Kritik hingegen übte die Lokführergewerkschaft GDL. Es sei zu befürchten, dass Grube als bisheriger Manager des Weltkonzerns Daimler "auch die DB als Weltkonzern lenken wird". "Das kann nicht im Sinne des Schienenverkehrs in Deutschland sein", erklärte GDL-Chef Claus Weselsky. "Wir wollen keine Fortsetzung der Expansionspolitik im DB-Konzern."

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, kritisierte, eine Ernennung Grubes als Bahn-Chef ermögliche keinen Neuanfang. "Mit Mehdorns ehemaligem Assistenten bei der Dasa droht mehr vom Gleichen", erklärte sie. "Nach zehn Jahren Mehdorn gibt es keinen Bedarf für einen weiteren Möchtegern-Überflieger aus der Luftfahrt."

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa-afx