General Motors Konzernchef Wagoner muss gehen

Die US-Regierung lehnt die Sanierungspläne der Autobauer General Motors und Chrysler ab. Washington ist nur zu einer kurzen weiteren Gnadenfrist bereit. Eine der Bedingungen: GM-Chef Rick Wagoner muss seinen Posten räumen. Finanzvorstand und COO Fritz Henderson tritt ab sofort seine Nachfolge an.

Detroit - Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors  (GM) hat den sofortigen Rücktritt von Konzernchef Rick Wagoner bestätigt und zugleich dessen Nachfolger benannt. Der bisherige Finanzvorstand Fritz Henderson solle die Konzernspitze übernehmen, teilte der Mutterkonzern des deutschen Autobauers Opel am Montag mit. GM steht am Rande des Abgrunds und braucht dringend weitere staatliche Hilfe. Nach Angaben aus dem Weißen Haus hatte die US-Regierung auf einen Rücktritt Wagoners gedrängt.

Wie das "Wall Street Journal" berichtete, wurde Wagoner bereits am Freitag von Steven Rattner, dem Chefberater des von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Arbeitsstabes zur Rettung der Autoindustrie, um den Rücktritt gebeten. Rattner habe die Bitte in einem persönlichen Gespräch mit Wagoner im Finanzministerium vorgetragen. Anschließend sei er mit Henderson zu einem Vier-Augen-Gespräch zusammengetroffen.

Der 56-jährige Wagoner hatte im Jahr 2000 das Steuer bei General Motors (GM) übernommen. In den vergangenen vier Jahren häufte der einst weltgrößte Autobauer Verluste von insgesamt mehr als 80 Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro) an. Über einen Rücktritt Wagoners war immer wieder spekuliert worden. Der Konzernchef selbst hatte entsprechende Forderungen etwa von Aktionären aber immer wieder zurückgewiesen.

Der 50-jährige Henderson galt bei vielen bereits als ausgemachter Nachfolger. Als Chief Operating Officer war er seit einem Jahr für das laufende Geschäft zuständig. Als früherer Chef der Europa-Tochter kennt er auch die Lage bei Opel bestens.

Obama will an diesem Montag einen neuen Rettungsplan für GM und den Wettbewerber Chrysler bekanntgeben. Es gilt als sicher, dass Obama bei einer für den späten Nachmittag deutscher Zeit anberaumten Pressekonferenz zusätzliche kurzfristige Überlebenshilfen für die Autobauer gewähren wird, allerdings mit der strikten Auflage weiterer drastischer kostensparender Schritte.

Was die US-Regierung von GM und Chrysler fordert

Die Auto-Taskforce der US-Regierung hat die Sanierungspläne der Autokonzerne abgelehnt, aber weiter Überbrückungskredite empfohlen, um den Unternehmen Zeit zu geben, neue Bedingungen zu erfüllen.

Der von GM vorgelegte Plan würde selbst bei einer Verbesserung der Wirtschaftlage den Konzern nicht lebensfähig machen, schätzt die Arbeitsgruppe ein. GM könne jedoch mit zusätzlicher Restrukturierung lebensfähig werden. Die Regierung gibt dem Autobauer Geld für 60 Tage, um einen aggressiveren Plan vorzulegen. GM muss seine Schulden deutlich abbauen und rasch im Vergleich zu den US-Töchtern ausländischer Konkurrenten wettbewerbsfähig werden.

Für Chrysler fällt das Urteil noch härter aus. Die Schlussfolgerung der Arbeitsgruppe lautet, Chrysler könne langfristig nicht als unabhängiger Konzern überleben. Der vorgelegte Plan enthalte zahlreiche "unrealistische oder übermäßig optimistische" Annahmen.

Ein Zusammengehen mit Fiat  könnte einen möglichen Weg darstellen. Der ursprüngliche Vorschlag dazu sei jedoch in vielen Punkten inakzeptabel. Dazu gehöre, dass Fiat die Mehrheit übernehmen könnte, bevor Chrysler seine Schulden an den amerikanischen Steuerzahler zurückgezahlt habe. Chrysler erhält Geld für 30 Tage, um eine neue Einigung mit Fiat zu erzielen. Sollte dies erreicht werden, würde die Regierung einen weiteren Kredit von sechs Milliarden Dollar an Chrysler erwägen.

GM und Chrysler haben bisher insgesamt 17,4 Milliarden Dollar an Staatskrediten erhalten. Die Opel-Mutter will zusätzliche 16,6 Milliarden Dollar, Chrysler fünf Milliarden. Ohne neues Geld drohe die rasche Pleite.

Eine Pleite von GM will die US-Regierung möglichst vermeiden, schließt aber bislang eine geordnete Insolvenz als letzten Weg auch nicht völlig aus. Das machte Obama auch am Sonntag in einem Interview des Senders CBS klar. "Wir wollen eine erfolgreiche Autoindustrie", erklärte Obama. Das sei auch möglich, aber dazu müssten die Unternehmen "schlank, hart und konkurrenzfähig" werden.

Von einem endgültigen Sanierungskonzept für GM hat die deutsche Bundesregierung auch Hilfen für Opel abhängig gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht an diesem Dienstag den Autobauer in Rüsselsheim.

Opel will sich von GM unabhängiger machen und sucht dafür Investoren. Merkel lehnt einen Staatseinstieg bisher ab, führende SPD-Politiker haben sich dafür ausgesprochen. Das Land Rheinland- Pfalz stellte bereits eine Beteiligung in Aussicht.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa-afx und reuters

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