Samstag, 19. Oktober 2019

Hypo Real Estate Flowers legt AR-Mandat nieder

Großaktionär Christopher Flowers kämpft weiter um seine Anteile an dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Der US-Investor zieht sich aus dem Aufsichtsrat zurück, um eine bessere Verhandlungsposition mit der Bundesregierung zu haben.

New York - Der Großaktionär der schwer angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen(HRE), Christopher Flowers, hat seinen Sitz im Aufsichtsrat des Instituts aufgegeben. Durch diesen Schritt wolle der Investor Interessenkonflikte im Zusammenhang mit einer möglichen Verstaatlichung des Baufinanzierers vermeiden, teilte Flowers am Freitag in New York mit.

Kämpft um seine Anteile: HRE-Großaktionär Flowers
Auch Aufsichtsratsmitglied Richard S. Mully von der Beteiligungsgesellschaft Grove verkündete sein Ausscheiden aus dem HRE-Aufsichtsrat. Beide gehörten dem Gremium seit August vergangenen Jahres an. Renate Krümmer, die die Flowers-Geschäfte in Deutschland vertrat, hatte bereits Anfang März ihren Rücktritt angekündigt. Damit hat Flowers, der mit ihm nahestehenden Investoren zusammen knapp ein Viertel der Anteile an der HRE hält, keinen Sitz im Kontrollgremium mehr.

Flowers hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, er wolle weiter Aktionär bleiben und seine Beteilung nicht veräußern. Dafür habe er der Bundesregierung mehrfach Mithilfe angeboten, um eine Kontrollmehrheit von 75 Prozent plus einer Aktie zu erwerben, mit der sie die Bank stabilisieren könne, hieß es in der Mitteilung.

Flowers hält 23,7 Prozent der HRE-Anteile. Der Investor hat mehr als eine Milliarde Euro in die Krisenbank gesteckt und fast alles verloren. Er will deswegen an Bord bleiben und hofft auf bessere Zeiten nach dem Staatseinstieg. Er habe sein Engagement immer mittel- bis langfristig verstanden, hieß es weiter. "Wir wollen keine Sonderbehandlung", sagte Flowers. Allerdings müssten die Aktionäre wie andere Eigner von Banken, die am Tropf des Staates hängen, behandelt werden. Derzeit laufen noch Gespräche zwischen Flowers und dem Bund über einen einvernehmlichen Erwerb seiner Anteile durch den Staat.

Der Bundestag hatte vergangenen Freitag den Weg frei gemacht für eine Enteignung der HRE-Aktionäre. Das sogenannte " Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz" speziell auf die HRE zugeschnitten, soll die letzte Option sein, um das Institut letztlich vor dem Untergang zu bewahren.

Die Hypotheken- und Pfandbriefbank war durch einen akuten Liquiditätsengpass der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa in eine Schieflage gerutscht und hat deswegen bislang Hilfen von über 100 Milliarden Euro erhalten, davon fast 90 Milliarden Euro aus Steuermitteln. Der Bund strebt deshalb eine Komplettübernahme des Kriseninstituts an. Weitere Hilfen, im Gespräch ist eine Eigenkapitalspritze von zehn Milliarden Euro, werden seit Längerem vorbereitet.

manager-magazin.de mit Material von afp und reuters

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung