Deutsche Börse Finanzvorstand schmeißt hin

Thomas Eichelmann, Finanzvorstand der Deutschen Börse, räumt seinen Posten Ende April wegen unterschiedlicher Auffassungen. Einen Nachfolger gibt es nicht. Bis auf Weiteres übernimmt Deutsche-Börse-Lenker Reto Francioni Eichelmanns Aufgaben.

Frankfurt am Main - Der Frankfurter Börsenbetreiber Deutsche Börse  trennt sich überraschend von seinem Finanzvorstand Thomas Eichelmann. Eichelmanns Mandat ende wegen teilweise unterschiedlicher Auffassungen, aber in guter Übereinkunft mit dem Aufsichtsrat, mit Wirkung zum 30. April 2009, teilte die Deutsche Börse am Montag mit.

Nach einem Nachfolger für Eichelmann werde derzeit gesucht, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Bis zur Berufung eines Nachfolgers werde Vorstandschef Reto Francioni kommissarisch die Ressorts Personal und Finanzen leiten.

Eichelmann hatte seinen Posten erst im Juli 2007 angetreten. Analysten hatten vor allem sein striktes Kostenmanagement gelobt. Im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen wurde unter anderem die Konzernzentrale von Frankfurt in das steuergünstige Eschborn verlegt.

Aktien der Deutsche Börse  haben am Montagnachmittag nach der überraschenden Trennung von Eichelmann ins Minus gedreht. "Eichelmann war erfolgreich, er war ein Macher des Erfolgs der letzten Jahre", sagte ein Börsianer. Die Aktien gaben 0,4 Prozent auf 39,82 Euro nach, nachdem sie vor der Mitteilung rund 2 Prozent im Plus notiert hatten. Ein Analyst sagte, die Nachricht sei eine "absolute Überraschung."

In seiner Zeit vor der Börse arbeitete er sieben Jahre lang beim Unternehmensberater Roland Berger. In den Jahren 2007 und 2008 konnte er als Finanzvorstand jeweils einen Rekordgewinn präsentieren. "Er hat einen guten Job gemacht", sagte Elie Darwish, Analyst bei Exane BNP Paribas. "Es kommt ein wenig überraschend, der Grund warum er geht ist mir nicht klar," ergänzte er.

Die Deutsche Börse zitierte am Montag Aufsichtsratschef Manfred Gentz in einer Unternehmensmitteilung, dass Eichelmann in einer für die Deutsche Börse AG entscheidenden Phase wichtige Maßnahmen und Initiativen zur Weiterentwicklung für das Unternehmen mit Schwerpunkt beim Kosten- und Kapitalmanagement erfolgreich implementiert habe. Diese sollten in Zukunft vom Unternehmen weitergeführt werden. Gentz ist selbst erst seit Dezember im Amt. Sein Vorgänger Kurt Viermetz war nach wochenlangem Streit um die Firmenstrategie mit Hedgefonds TCI und Atticus gegangen.

Seit Jahren liegt der Frankfurter Börsenbetreiber mit den kritischen Aktionären im Dauerclinch. Sie sind der Meinung, dass die einzelnen Teile des Konzerns für die Aktionäre wertbringender sind, als die Summe des Ganzen.

Branchenkreisen zufolge stehen die Fonds wegen der Finanzmarktkrise und dem starken Kursverfall der Finanzwerte zunehmend unter finanziellem Druck. Das Deutsche-Börse-Management steht allerdings zu seinem Geschäftsmodell mit den Bereichen Kassamarkt, der Terminbörse Eurex und dem Wertpapierabwickler Clearstream. Sie sehen darin entscheidende Synergien und Vorteile für die Gruppe.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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