Entscheider-ABC Unabhängig finanzieren

Wollen Entscheider etwas bewegen, dann müssen sie das auch bezahlen können. Für die meisten Unternehmer ist das ein Engpassfaktor: Ohne Geld bewegt sich nichts. Das versetzt die Anbieter von Liquidität in eine fabelhafte Machtposition. Nur wer klug entscheidet, kann sich freihalten vom Zugriff der Geldgeber.
Von Kai-Jürgen Lietz

Ich habe schon viele Gründer kennengelernt, die in der Finanzierung ihrer Idee das einzige Hindernis für ihren Erfolg gesehen haben. Mich wundert bei diesen Gründern die Tendenz, mit ihrem Unternehmen erst dann anfangen zu wollen, wenn das Geld zu Verfügung steht. Obwohl es durchaus möglich wäre, das Geschäft bereits im kleinen Rahmen am Markt zu erproben und erste Erfahrungen zu machen. Viele heute erfolgreiche Unternehmen sind einmal sehr klein und ohne Finanzierung gestartet und haben sich aus dem laufenden Geschäft selbst finanziert.

Natürlich geht es mit fremdem Geld viel schneller, aber wenn wir bereits einen geschäftlichen Erfolg vorzuweisen haben, dann ist die Macht anders verteilt und gleichzeitig ist unser Unternehmen viel interessanter, weil die Risiken wesentlich geringer sind.

So unterschiedlich Unternehmen sein können, so unterschiedlich sind auch die Bedarfe zur Finanzierung. Daher haben die Finanzmärkte sehr unterschiedliche Finanzierungswerkzeuge entwickelt. Damit wir überhaupt eine Chance haben, das richtige Finanzierungsinstrument auszuwählen, müssen wir wieder unseren genauen Bedarf kennen. Viele Entscheider, die ich kennengelernt habe, verstehen darunter die Summe, die wir finanzieren müssen, sowie die Zins- und Tilgungsbedingungen, die wir uns in unserer Branche leisten können.

Rückgrat und Aufpasser

Wir befinden uns mit diesen Zahlen aber nur auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Natürlich brauchen wir Geld und natürlich dürfen uns die Bedingungen nicht das Rückgrat brechen. Aber unser Bedarf geht viel weiter. Eine immer wieder aufgeworfene Frage richtet sich auf die Abhängigkeit, die mit dem Geld einhergeht.

Eine Bank, die uns Geld zur Verfügung stellt, möchte sichergehen, dass wir damit kein Schindluder treiben. Daher wird das Geld an bestimmte Bedingungen geknüpft, die darauf hinauslaufen, dass wir nicht mehr allein unternehmerisch entscheiden und handeln dürfen. "Das ist berechtigt", wird vermutlich der Banker sagen. "Das ist Erpressung", wird möglicherweise der Unternehmer denken. Auch Risikokapitalgeber vertrauen uns nicht endlos, sondern sorgen gerne für einen Aufpasser.

Die Finanzierung durch staatlich geförderte Institute ist ebenfalls oft an strenge Bedingungen geknüpft, wie an die Schaffung von Arbeitsplätzen oder an die Wahl eines bestimmten Standorts. Unternehmerische Freiheit sieht anders aus.

Was Porsche und Honda eint

Eigenkapital als Lebenslinie

Unabhängigkeit ist das eine, Kontrolle und Eigenständigkeit das andere. Denn manche Finanzierungsinstrumente sind eigentlich ein Verkauf von Firmenanteilen. Je nachdem wie hoch der Anteil ist, verkaufen wir damit unsere Kontrolle. Wenn der Unternehmer beispielsweise nach dem Einstieg eines großen Unternehmens nur noch 49 Prozent der Anteile hält, ist er ein Unternehmer auf Abruf. Denn der Mehrheitseigentümer kann jederzeit für seine Abberufung sorgen.

Warum sollte ein Unternehmer darauf eingehen wollen? Zum einen müssen wir uns manchmal der Marktmacht beugen, zum anderen muss Kapital keine passive Sache sein. Unternehmer mögen gute Ideen haben, aber ihre Verbindungen können oft nicht mithalten. Daher suchen viele Gründer gerne nach Business Angels, die sogenanntes intelligentes Kapital einbringen. Diese investieren nicht nur in das Unternehmen, sondern arbeiten auch aktiv darin mit und öffnen so dem Unternehmen ihr Kontaktnetzwerk.

Etablierte Unternehmen haben natürlich wieder ganz andere Bedürfnisse. Gerade im deutschen Mittelstand wird immer wieder über eine zu geringe Eigenkapitalquote diskutiert. Wenn der Anteil an Fremdkapital sehr hoch ist, kann eine Krise leicht das Eigenkapital auffressen. Fremdkapital beteiligt sich nicht am unternehmerischen Risiko. Daher bleibt es konstant.

So kann eine paradoxe Situation entstehen. Obwohl das Unternehmen über flüssige Mittel verfügt und seine Rechnungen aus der laufenden Liquidität bezahlen kann, muss es Insolvenz anmelden, weil die Überschuldung eingetreten ist. Das Eigenkapital ist die Lebenslinie des Unternehmens, fällt sie auf null, ist es vorbei.

Attraktive Alternativen

Solange es die Wirtschaft gibt, suchen Unternehmer Kapital, um ihre Pläne umzusetzen. Daher gibt es heute eine Vielzahl an Finanzierungsinstrumenten. Macht es da überhaupt Sinn, nach weiteren attraktiven Alternativen zu suchen?

Vielleicht im Sinne eines Soichiro Honda, der 5000 Fahrradhändler nach dem Zweiten Weltkrieg davon überzeugte, seine Firma zu finanzieren und deren Produkt zu verkaufen. Zur selben Zeit hat übrigens auch ein anderer genialer Konstrukteur das gleiche Finanzierungsmittel genutzt. Ferdinand Porsche brachte eine große Anzahl an VW-Händlern dazu, den Bau des ersten Porsche-Sportwagens zu finanzieren und den Wagen in ihrem Vertrieb aufzunehmen. Dieselbe Zeit, dieselbe Idee. Beide Unternehmer handelten aus der Not heraus, denn Kapital war damals wie heute nicht einfach zu bekommen.

Fordern und fördern

Größtmögliche Unterstützung

Heute heißt attraktive Alternativen schaffen, sich mit den richtigen Kapitallieferanten zusammenzusetzen, die zum eigenen Bedarf passen. Generell ist es immer eine gute Idee, von Anfang an mit einem Fördermittelberater zusammenzuarbeiten.

Deren Honorare werden zum Großteil öffentlich getragen und wir haben auch nichts dagegen, wenn der Staat uns über seine Fördertöpfe etwas von dem zurückgibt, das er vorher über Steuern von uns eingenommen hat. Schließlich sollten wir auch in Betracht ziehen, dass wir ein gutes Geschäft immer auch aus den eigenen Umsätzen finanzieren können.

Wenn wir im Bereich Finanzierungsentscheidungen über Unterstützung sprechen, denken wir vermutlich zuallererst an die Kapitallieferanten, die abwägen müssen, ob die Gewinne die Risiken rechtfertigen. Das ist natürlich klar. Aber viele übersehen dabei auch, dass zum Beispiel der eigene Gesellschafterkreis ebenfalls zustimmen muss. Wenn wir als Unternehmer ins private Obligo gehen müssen, brauchen wir die Zustimmung unserer Familie. Dabei geht es nicht nur um rationale Erwägungen. Wenn über Jahre die eigene finanzielle Existenz auf dem Spiel steht, ist das für manche Partnerschaft zu viel des Guten.

Schwierige Zeitgenossen

Kapitalgeber schließlich sind für einen Unternehmer schwierige Zeitgenossen. Denn der Unternehmer sieht in erster Linie die Chancen, während die andere Seite das Risiko sieht. Der Kapitalgeber fragt sich vielleicht, warum wir uns gerade an ihn gewandt haben. Haben vielleicht andere schon abgesagt? Wer Unterstützung in Form des Geldes anderer Leute haben möchte, muss in erster Linie Vertrauen schaffen.

Beispiel: Entscheidungsprofil einer Finanzierung

Ziel Finanzierung einer Expansion in einen neuen Markt
Entscheidungsauslöser Zu wenig Eigenmittel, um die eigene Planung umzusetzen
Inspirierende Frage Wie schaffe ich es, genügend Mittel aufzutreiben, um in den neuen Markt zu expandieren?
Gewünschte Ergebnisse Auflösung des Kapitalengpasses, Handlungsfähigkeit, Niedrige Zinsen, Tilgung, "Intelligenz" des Kapitals
Status-quo-Ergebnisse Kontrolle, Unabhängigkeit, Eigenständigkeit
Unerwünschte Ergebnisse Einschränkende, Bedingungen, Überschuldung, Insolvenz, Überraschendes, Fälligwerden von Krediten

Wenn der Unternehmer sein gesamtes Privatvermögen auf das neue Projekt wettet, dann überzeugt das oft auch die Finanziers. Wenn bereits andere Geldgeber eingestiegen sind, ebenfalls. Sollten dann noch Kunden bereits bindende Abnahmeverträge unterzeichnet und zusätzlich eine Anzahlung geleistet haben, sollte das überzeugend sein.

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