Telekom-Spitzelaffäre Razzia bei Zumwinkel und Ricke

Bei den Ermittlungen zur Spitzelaffäre bei der Telekom sind Häuser und Büros der ehemaligen Topmanager Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke durchsucht worden. Zumwinkels neuer Hauptwohnsitz am Gardasee wurde ebenso Ziel der Razzia wie Rickes Wohnhaus in der Schweiz.

Bonn - Razzien gab es im Wohnsitz des früheren Telekom-Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-Post-Chefs Zumwinkel am italienischen Gardasee und im Haus des ehemaligen Telekom-Chefs Ricke in der Schweiz, wie der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel am Freitag bestätigte.

Durchsucht wurden laut Apostel auch die ehemaligen Arbeitsräume Zumwinkels bei der Deutschen Post in Bonn, sein früheres Haus in Köln sowie ein Anwesen Rickes in Süddeutschland. Zu den Ergebnissen und dem Umfang des beschlagnahmten Materials wollte Apostel zunächst keine Angaben machen. Die Auswertung werde ein paar Wochen dauern.

Die Razzien fanden nach Angaben des Oberstaatsanwalts bereits am Mittwoch statt. Die Durchsuchungen am Gardasee und in der Schweiz wurden demnach von italienischen und Schweizer Beamten vorgenommen, die von etwa zehn deutschen Ermittlern begleitet wurden. Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte entsprechende Rechtshilfeersuchen an die Behörden in Italien und der Schweiz gestellt. In Deutschland waren etwa 15 Beamte im Einsatz.

Die Razzien stehen im Zusammenhang mit der Spitzelaffäre bei der Telekom, in der die Staatsanwaltschaft Bonn seit Frühjahr 2008 ermittelt. Nach Angaben der Ermittler hat das Unternehmen in den Jahren 2005 und 2006 die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der Telekom, Angehörigen des Betriebsrats, Journalisten, aber auch von Dritten wie Verdi-Chef Frank Bsirske ausgespäht, die mit dem Konzern nicht unmittelbar zu tun haben. Insgesamt ist von mindestens 55 Bespitzelten die Rede.

Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richten sich unter anderen gegen den ehemaligen Konzernchef Ricke und gegen den früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Zumwinkel. Letzterer war Ende Januar wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt worden.

Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richteten sich vor allem gegen acht Personen, darunter Ricke und Zumwinkel. Dieser hat eine Mitverantwortung zurückgewiesen.

Er habe sich in dieser Sache nichts vorzuwerfen, sagte Zumwinkel im Januar der "FAZ". Als damaliger Aufsichtsrat, auch als Vorsitzender des Gremiums, habe er keine Weisungsbefugnis gehabt. Das operative Geschäft habe der Vorstand geführt. Im Februar war der ehemalige Chef der Deutschen Post  in seine Burg an den Gardasee gezogen.

manager-magazin.de mit Material von ap, reuters und ddp

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