Betrugsfall Madoff gesteht Schuld ein

Zum Prozessauftakt im größten Betrugsfall der Wirtschaftsgeschichte hat sich der Angeklagte Bernhard Madoff in allen Punkten der langen Anklageliste für schuldig erklärt und Reue gezeigt. Der Richter ließ den 70-jährigen ehemaligen Starinvestor in Handschellen abführen - ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

New York - Der mutmaßliche Milliardenbetrüger Bernard Madoff hat sich vor einem Gericht in New York in allen Anklagepunkten für schuldig bekannt und seine Opfer um Vergebung gebeten. Der 70-Jährige habe eine entsprechende Frage des Richters Denny Chin bejaht, meldete der US-Wirtschaftssender CNBC am Donnerstag. "Es tut mir zutiefst leid, ich schäme mich", sagte Madoff in seiner Stellungnahme vor dem Gericht. Er räumte ein, "über Jahre" ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Zu den Geschädigten gehörten "Einzelpersonen, Stiftungen, Pensions- und Hedgefonds", sagte er.

Richter Chin wies Madoff darauf hin, dass es für ihn keine Möglichkeit für eine Bewährung gebe. Der Richter akzeptierte das Schuldbekenntnis und ordnete Madoffs sofortige Inhaftierung an. Polizisten legten ihm Handschellen an und führten ihn aus dem Saal. Madoff war im Dezember bereits vorübergehend festgenommen worden und stand seitdem in seinem New Yorker Luxusapartment unter Hausarrest. Das Strafmaß soll am 16. Juni bekanntgegeben werden.

Die Staatsanwaltschaft legt Madoff insgesamt elf verschiedene Straftaten zur Last, darunter Wertpapierbetrug, Fälschung von Briefen, Computerbetrug, Geldwäsche, Meineid, Falschaussage vor der US-Börsenaufsicht SEC sowie Diebstahl von Geldern aus einem Fonds für Mitarbeiter. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm nach US-Recht bis zu 150 Jahren Haft.

Madoff wird vorgeworfen, Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Seine Investmentfirma hatte Ende November noch eine Bilanzsumme von rund 64,8 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) ausgewiesen. In Wirklichkeit sei nur ein Bruchteil dieses Betrags vorhanden gewesen.

In dem System, das er seit über 20 Jahren betrieben haben soll, versprach er seinen rund 4800 Kunden konstant hohe Gewinnausschüttungen, die er laut Anklage mit dem Geld neuer Investoren finanzierte. Zu Madoffs Opfern gehörten neben Banken und Fonds auch Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen wie die US-Stiftung Robert I. Lappin, die Bildungsprogramme in Israel finanziert. Es ist der mit Abstand größte Betrug der Wirtschaftsgeschichte.

Die Behörden kündigten an, Madoffs Vermögen bis zu einer Summe von 170 Milliarden Dollar beschlagnahmen zu wollen. Der Betrag ergibt sich aus dem angerichteten Schaden und dürfte nicht annähernd zu holen sein: Nach Angaben des Finanzjongleurs vom Dezember waren nur noch einige Hundert Millionen Dollar vorhanden. Laut Anklage versprach Madoff seinen Investoren Zinsen von bis zu 46 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, afp und reuters

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