Conti-AR-Chef Grünberg scheidet im Zorn

Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg hat wie von Großaktionär Schaeffler gefordert sein Amt niedergelegt. Zugleich fällte er ein vernichtendes Urteil über das fränkische Familienunternehmen. Derweil bahnt sich laut Presseberichten eine Übernahme von Schaeffler durch die Gläubigerbanken an.

Frankfurt am Main - Der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler hat sich mit der Entmachtung von Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg durchgesetzt. Das Gremium setzte den ehemaligen Conti-Chef am Freitag nicht mehr auf die Liste für die künftige Besetzung des Gremiums, über die auf der Hauptversammlung abgestimmt werden soll.

Von Grünberg legte im Gegenzug auch sein Aufsichtsratsmandat nieder, womit er wohl auch nicht mehr für die Organisation des Abspaltungsprozesses der Gummi-Sparte zur Verfügung steht. Er kritisierte die fränkische Familienfirma scharf. "Wir haben die Schaeffler-Gruppe um die Vorlage eines tragfähigen Konzeptes gebeten - dieser Bitte ist in keiner Weise entsprochen worden", sagte er. "Wir laufen Gefahr, in das Schaeffler-Problem mit reingezogen zu werden."

Schaeffler weist Vorwürfe zurück

Schaeffler wies die Vorwürfe von Grünbergs zurück. "Herr Grünberg hat das Vertrauen des Aufsichtsrats verloren", sagte ein Schaeffler-Sprecher in Herzogenaurach. Die Besprechung eines Zukunftskonzeptes habe bei der Sitzung in Frankfurt überhaupt nicht auf der Agenda gestanden. Schaeffler arbeite weiterhin mit Hochdruck an diesem Papier.

Von Grünberg hatte bereits Ende Januar angekündigt, sein Amt als Chefkontrolleur der Continental AG  zur Verfügung zu stellen. Dies hatte ein Kompromiss zwischen Schaeffler und Conti vorgesehen. Der designierte Nachfolger als Aufsichtsratschef, der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer, konnte aber nicht an der Aufsichtsratssitzung am Freitag teilnehmen, weil ihm dies ein Gericht verweigert hatte. Koerfer war aus dem Aktionärskreis ein Interessenkonflikt vorgeworfen worden.

Auf der Hauptversammlung am 23. April sollen alle Aufsichtsräte neu gewählt werden. Dem vierköpfigen Nominierungsausschuss für die Kapitalvertreter sollen künftig zwei Schaeffler-Vertreter angehören. Schaeffler ist seit dem 8. Januar mit 49,9 Prozent Großaktionär des weltweit fünftgrößten Automobilzulieferers. Unterdessen ist Schaeffler wegen der auf Pump finanzierten Conti-Übernahme hoch verschuldet, hat einen Milliardenkapitalbedarf und bittet um Staatshilfen.

Von Grünberg legte auch sein Aufsichtsratsmandat nieder, womit er wohl auch nicht mehr für die Organisation des Abspaltungsprozesses der Gummisparte zur Verfügung steht. Nach ursprünglichen Plänen sollte er einen Posten in dem Kontrollgremium behalten und die organisatorische und rechtliche Loslösung der Conti-Gummisparte begleiten. Ein Verkauf würde die Schulden des Conti/Schaeffler-Konglomerats drücken. Medienberichten zufolge hatte von Grünberg Interesse an der Sparte gezeigt und wollte sie im Zuge eines sogenannten Management-Buy-outs übernehmen. Mit seinem Rückzug verhindert von Grünberg womöglich Interessenkonflikte, in die er als Aufsichtsrat bei einem Erwerb der Gummisparte geraten könnte.

Übernahme durch die Gläubigerbanken?

Übernahme durch die Gläubigerbanken?

Im Poker um die Zukunft der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe zeichnet sich Berichten zufolge eine Übernahme des Unternehmens durch die Gläubigerbanken ab. Laut "Süddeutscher Zeitung" will die Bundesregierung Staatshilfen für das Unternehmen vermeiden, das sich mit der Übernahme des größeren Konkurrenten Continental verhoben hat. Stattdessen sollten die Schäffler-Gläubigerbanken ihre Forderungen in Beteiligungen umwandeln, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise.

Das "Handelsblatt" berichtete, es werde eine teilweise Umwandlung der Bankschulden in Schaeffler-Anteile erwartet. In Finanzkreisen hieß es am Freitag, eine Diskussion über einen möglichen Einstieg der Kreditinstitute bei dem Herzogenauracher Unternehmen sei verfrüht. Zunächst müssten Wirtschaftsprüfer ihr Gutachten fertigstellen. Dies soll voraussichtlich Ende März vorliegen.

Für die Familie Schaeffler würde eine Umwandlung der Bankenfordungen bedeuten, dass sich ihr Anteil an dem eigenen Unternehmen deutlich verringern dürfte. Finanzkreise hielten es für realistisch, dass der Anteil von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg auf unter 20 Prozent sinken könnte, berichtete das "Handelsblatt". Die Schaeffler-Gesellschafter hatten sich bereit erklärt, sich von einem wesentlichen Teil ihrer Beteiligung zu trennen, wollen aber die unternehmerische Führung behalten.

Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall forderten unterdessen nach der Aufsichtsratsitzung am Freitag ein tragfähiges Zukunftskonzept für Continental/Schaeffler. Maßstab für ein solches Konzept müsse die Sicherung der Arbeitsplätze bei der Continental AG und der Schaeffler-Gruppe "auf der Grundlage der Investorenvereinbarung" sein. "Eine Filetierung von Continental beziehungsweise der Schaeffler-Gruppe ist nicht akzeptabel", erklärten sie.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa

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