Managergehälter "Wir brauchen den politischen Fingerzeig nicht"

Die verschärften Regeln für Managergehälter sind ein seichter Kompromiss und ein Symbol zur Unzeit. Gegenüber manager-magazin.de erklärt Kienbaum-Geschäftsführer Alexander von Preen, welche Folgen die neuen Bestimmungen haben und warum es für die Wirtschaft schädlich ist, wenn sich die Politik in die Managervergütung einmischt.
Von Karsten Langer

mm.de: Herr von Preen, wie beurteilen Sie die Verschärfung der Regelung von Managergehältern?

von Preen: Die jetzt gefundene Regelung ist nur ein grober Rahmen und natürlich ein politischer Kompromiss. Ich sehe das als ein Zeichen der Politik, dass die Vergütungssysteme sich ändern sollen. Aber alles Weitere liegt in der Verantwortung der Eigentümer und Unternehmer.

mm.de: Staatlich festgelegte Gehaltsobergrenzen sind für Sie undenkbar?

von Preen: Die Gehaltsfindung ist Aufgabe der Eigentümer oder von ihnen beauftragter Gremien. Deswegen ist es auch nicht nötig, dass die Politik über Gebühr Einfluss nimmt. Das halte ich für gefährlich und unangebracht. Ein Vergütungssystem ist immer ein Abbild der Strategie des Unternehmens. Dort starre Regeln einzuführen, behindert die Entwicklung und die Beweglichkeit eines Unternehmens. In Deutschland gab es bisher nicht die großen Gehaltsexzesse wie in den USA. Wir brauchen den politischen Fingerzeig nicht.

mm.de: Erhalten Manager durch die neue Regelung weniger Geld?

von Preen: Die Regelung wird Berücksichtigung finden, aber dies vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit und Langfristigkeit. Die Veränderung der Vergütungssysteme dauert üblicherweise zwei Jahre, man muss in laufende Verträge eingreifen, das wird nicht so schnell gehen.

mm.de: Sind die Vorstandsgehälter in Deutschland angemessen?

von Preen: Die meisten Vorstände und Geschäftsführer beziehen angemessene Gehälter. Die Bezüge atmen, der variable Anteil sinkt in der Krise. Das werden die Geschäftsberichte in den kommenden Monaten zeigen.

mm.de: Halten Sie die gegenwärtige Diskussion für angebracht?

von Preen: Man stellt die Falschen an den Pranger. Wir haben Persönlichkeiten in Deutschland, die so viel für den Standort getan haben, dass Neiddiskussionen völlig unangemessen sind. Zahlreiche Manger und Unternehmer sind zudem sozial engagiert und kümmern sich um gesellschaftliche Belange. Es ist ein sich leider immer wiederholender Reflex, dass das Fehlverhalten Einzelner als Musterbild einer ganzen Gruppe herangezogen wird. Das bringt uns nicht weiter.

"Nimm mit, was du kriegen kannst"

mm.de: Die hohen Bonuszahlungen für Investmentbanker sind in der Krise schwer nachvollziehbar.

von Preen: Natürlich, da sind teilweise ungeheuerliche Dinge passiert. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, das gilt auch für Investmentbanker. Es wird jetzt ja auch nachgesteuert. Im Bankbereich ist es doch so, dass die Schlüsse aus der Krise nach der Jahrtausendwende waren: Nimm mit, was du kriegen kannst, es könnte bald wieder vorbei sein. Diese Mentalität muss sich ändern und wird sich ändern. Da ist zum einen ein entsprechender Mentalitätswechsel und zum anderen ein intelligentes Anreizsystem gefragt.

mm.de: Künftig sollen Aufsichtsratsmitglieder persönlich haftbar gemacht werden, wenn Managergehälter zu hoch sind. Halten Sie das für realistisch?

von Preen: Nein, aber tatsächlich werden die Anforderungen an den Aufsichtsrat immer größer, deswegen sollten die Mitglieder des Gremiums auch besser qualifiziert sein. Für Gewerkschaftsvertreter gibt es übrigens tatsächlich längst Schulungen, welche Aufgaben sie als Aufsichtsrat wahrnehmen müssen. Ob das reicht, werden wir sehen. Auf jeden Fall sind das anspruchsvolle Aufgaben, die man nicht nebenher erledigen kann.

mm.de: Nach dem Willen der SPD sollten auch die Abfindungen gedeckelt werden.

von Preen: Abfindungen spielen in Deutschland eine untergeordnete Rolle, und auch Aktienoptionsprogramme haben hier nie die Rolle gespielt wie etwa in den USA. Das wird in der öffentlichen Diskussion leider oft durcheinandergeworfen.

mm.de: Glauben Sie, dass durch die neue Regelung ein Exodus im Topmanagement einsetzt?

von Preen: Nein, davon gehe ich nicht aus. Der Vorstand ist dem Wohle des Unternehmens verpflichtet, und wir haben in Deutschland Vorstände, die sich ihrer Verantwortung stellen.

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