Ex-AIG-Chef Greenberg Erst versagen, dann klagen

Maurice Greenberg klagt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der Ex-AIG-Chef und Großaktionär des US-Versicherers will Millionen Dollar, weil sein Aktienpaket unterdessen fast wertlos ist. Dabei hatte Greenberg selbst die desaströse Strategie entwickelt, die zu Verlusten in dreistelliger Milliardenhöhe führte.

New York - Maurice "Hank" Greenberg, jahrzehntelanger Chef des US-Versicherungskonzerns AIG , hat seinen Ex-Arbeitgeber angesichts der Rekordverluste wegen Betrugs verklagt. Der Ex-Vorstand und wichtigste Privataktionär wirft dem Unternehmen mit dem größten Quartalsverlust der Wirtschaftsgeschichte vor, ihn bei der Zuteilung einer Aktienabfindung vor einem Jahr falsch über die finanzielle Lage der Firma informiert und Risiken bei den Kreditderivaten verschwiegen zu haben.

Greenberg beschuldigte die gegenwärtige AIG-Führung am Dienstag zudem der Unfähigkeit. Die AIG-Krise habe sein Privatvermögen um mehr als zwei Milliarden Dollar geschmälert, sagte Greenberg dem Fernsehsender CNBC. Greenberg hat nach eigenen Angaben am 30. Januar 2008 AIG-Aktien zu einem Kurs von 54,37 Dollar erhalten. Am Montag schlossen die Papiere bei 42 Cent. Er fordert von AIG den Differenzbetrag zurück und zudem eine Erstattung von Steuern von mehr als 70 Millionen Dollar.

Eine AIG-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Greenberg selbst habe die für die hohen Verluste verantwortliche Geschäftssparte aufgebaut, erklärte sie. Auch nach Ansicht vieler Branchenexperten reichen die Wurzeln der gegenwärtigen Probleme in die Ära Greenberg zurück. Das jahrelang gut laufende Geschäft mit Kreditderivaten - unter Greenberg forciert - habe sich im Nachhinein durch die Rezession als Zeitbombe entpuppt.

Greenberg war knapp vier Jahrzehnte AIG-Chef und machte den Versicherer zum Weltmarktführer, bevor er im März 2005 vom damaligen New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer aus dem Amt gedrängt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, den Gewinn durch außerbilanzielle Geschäfte künstlich aufgebläht zu haben. Eine Kooperation bei einer firmeninternen Prüfung hatte er damals abgelehnt. Seitdem hat er einen Großteil seiner Zeit damit verbracht, seinen Ruf zu verteidigen und gegen seine Nachfolger zu wettern.

AIG hatte am Montag einen Fehlbetrag von 61,7 Milliarden Dollar bekanntgegeben - der größte Quartalsverlust in der Wirtschaftsgeschichte. Im Gesamtjahr betrug das Minus knapp 100 Milliarden Dollar. Verantwortlich sind vor allem Fehlinvestitionen, Abschreibungen und Restrukturierungskosten.

Die US-Regierung musste den einst weltgrößten Versicherer innerhalb weniger Monate zum dritten Mal vor der Pleite retten.

manager-magazin.de mit Material von reuters