Bundesbank Sarrazin will Spitzenressort

Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin sorgt bereits vor seiner offiziellen Berufung in den Bundesbankvorstand für Unruhe. So hat er bereits den Aufgabenbereich "Internationale Beziehungen", den bisher Hermann Remsperger verantwortet, für sich reklamiert. Aber Sarrazin ist nicht der einzige, der sich für das Ressort interessiert.

Berlin - In der Notenbank verursacht das Ansinnen von Sarrrazin erheblichen Unmut. Denn für das abwechslungsreiche Ressort interessieren sich auch andere Vorstandsmitglieder.

Sowohl Hans-Helmut Kotz, der bislang für Märkte zuständig ist, als auch Rudolf Böhmler (CDU), das am kürzesten amtierende Mitglied des Gremiums, würden gern andere Aufgaben übernehmen. Böhmler leitet derzeit unter anderem die Gebäudeverwaltung. Ein dritter Mann mit Ambitionen auf das Amt wäre wohl auch Hans Georg Fabritius, dem bisher die Handelsgeschäfte sowie das Controlling unterstehen, berichten Insider.

"Eigentlich ist es bei uns üblich", so ein hochrangiger Bundesbanker, "dass einer, der hier anfängt, sich erst einmal vorstellt, bevor er Ansprüche erhebt." Sarrazins forsches Auftreten könnte indes kontraproduktiv sein: Über die Aufgabenverteilung entscheidet der Vorstand mehrheitlich - und Bundesbankpräsident Axel Weber hat ein Vetorecht.

Der 64-jährige Sarrazin ist seit Januar 2002 Finanzsenator in der Landesregierung von SPD und Linkspartei. Dem Diplom-Volkswirt gelang es, die hohen Ausgaben vor allem für Personal und im sozialen Wohnungsbau Berlins zu senken. Bei seinem Amtsantritt wies der Berliner Haushalt ein Defizit von 5,2 Milliarden Euro auf. 2007 und 2008 konnte das hochverschuldete Land erstmals in seiner Nachkriegsgeschichte jeweils einen Überschuss von knapp 100 und rund 940 Millionen Euro erwirtschaften. Für das laufende Jahr erwarten die Berliner jedoch wieder ein Defizit von über 900 Millionen Euro.

Der Volkswirt diente als Beamter in Bonn seit 1974 allen Bundesfinanzministern von Hans Apel (SPD) bis Theo Waigel (CSU). Unter Waigel arbeitete Sarrazin 1990 maßgeblich die Grundzüge der deutsch-deutschen Währungsunion aus. Später arbeitete er als Staatssekretär in Rheinland-Pfalz. Sarrazin ging zur Treuhand, dann zur Bahn. Dort trennte er sich 2001 im Streit mit Konzernchef Hartmut Mehdorn.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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