Merckle Drei Treuhänder zerschlagen das Erbe

Banken und Familie des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle haben sich auf drei Insolvenzexperten als Treuhänder für die Zerschlagung des Firmengeflechts geeinigt. Vor allem müssen sie den Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm organisieren.

Ulm - Nach zähem Ringen hat sich die Familie Merckle mit ihren Gläubigerbanken auf drei Treuhänder für die Zerschlagung des Firmengeflechts geeinigt. Klaus Hubert Görg und Martin Stockhausen von der Wirtschaftskanzlei Görg Partnerschaft von Rechtsanwälten sollen den Verkauf der Anteile von Merckles VEM-Vermögensverwaltung an dem Generikahersteller Ratiopharm organisieren.

Görgs Kanzlei hat sich bei Großinsolvenzen wie Babcock, Holzmann und Kirch einen Namen gemacht. Darüber hinaus soll der Berliner Wirtschaftsprüfer Harald Wiedmann als Treuhänder die Zukunft des Pharmagroßhändlers Phoenix  lenken, wie die Merckle-Gruppe am Mittwoch in Ulm mitteilte.

Auch eine Veräußerung der Merckle-Anteile an dem Baustoffhersteller HeidelbergCement  ist noch nicht vom Tisch. Die Gläubigerbanken rechnen laut einem Zeitungsbericht aber erst mit einer Verwertung im kommenden Jahr.

Den Treuhändern gehe es vorrangig um den Verkauf von ratiopharm, sie würden aber generell die Restrukturierung der Merckle-Gruppe begleiten, sagte eine VEM- Sprecherin. Dazu gehöre eben auch HeidelbergCement. Derzeit sucht Firmenchef Bernd Scheifele nach einem Investor für eine Kapitalzufuhr. Er soll bereits Gespräche mit Geldgebern in Asien und wohlhabenden Familien in Südwestdeutschland geführt haben.

"Mit der Benennung der Treuhänder ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einer nachhaltigen Restrukturierung der Merckle-Gruppe getan", teilte der ehemalige VEM-Geschäftsführer Ludwig Merckle mit. Die Merckle-Vertreter und die Banken hatten erbittert um die Auswahl der Treuhänder gestritten. Mehrere Kandidaten waren entweder von den Banken oder von der Merckle-Familie abgelehnt worden. Während die Banken größtenteils an einem schnellen Verkauf von Unternehmensteilen interessiert sind, um die Schulden Merckles zu decken, pochte die Familie stets auf eine Fortführung des Konzerns.

Die Merckle-Gruppe war Ende vergangenen Jahres auch durch die Folgen der Finanzkrise in eine finanzielle Schieflage geraten. Die Merckle-Holdingfirmen sollen mit insgesamt fünf Milliarden Euro verschuldet sein. Firmenmogul Adolf Merckle hatte sich im Januar das Leben genommen, kurz vor seinem Tod aber noch den Kompromiss mit den Banken für die Rettung seiner Unternehmen in die Wege geleitet. Dazu gehört auch der Verkauf von ratiopharm.

Zudem haben sich Interessenten für den Pistenfahrzeug-Bauer Kässbohrer gemeldet. Der Hauptaktionär, die LuMe Vermögensverwaltung, prüft derzeit strategische Optionen. Die LuMe ist eine Beteiligungsholding der Merckle-Firmengruppe. Sie hält über 90 Prozent der Anteile an Kässbohrer.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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