Berliner Finanzsenator Sarrazin pendelt zur Bundesbank

"Ich sage, was ich will." Für seine provokanten Äußerungen wurde Finanzsenator Thilo Sarrazin häufig kritisiert. Der streitbare Beamte wechselt nun letztmalig vor seiner Pensionierung den Job. Seiner Stadt Berlin will er treu bleiben.

Berlin - Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wird im Mai als Vorstandsmitglied zur Bundesbank nach Frankfurt wechseln. Der Senator bestätigte am Dienstag sein Ausscheiden aus dem rot-roten Senat. Nach seinem Amtsantritt werde er seinen Wohnsitz in Berlin behalten und nach Hessen pendeln, sagte Sarrazin im Gespräch mit der Bild-Zeitung.

Sarrazin soll am Donnerstag offiziell im Finanzausschuss des Bundesrates bestätigt werden. Er wird aber nach eigenen Angaben noch bis Ende April in seinem Amt in Berlin bleiben. Seinen Wunsch, zur Bundesbank zu wechseln, begründete Sarrazin mit seiner Vorliebe für die Währungspolitik.

Der 64-Jährige ist seit Januar 2002 Finanzsenator in der Landesregierung von SPD und Linkspartei. Dem Diplom-Volkswirt gelang es, die hohen Ausgaben vor allem für Personal und im sozialen Wohnungsbau Berlins zu senken. Bei seinem Amtsantritt wies der Berliner Haushalt ein Defizit von 5,2 Milliarden Euro auf. 2007 und 2008 konnte das hochverschuldete Land erstmals in seiner Nachkriegsgeschichte jeweils einen Überschuss von knapp 100 und rund 940 Millionen Euro erwirtschaften. Für das laufende Jahr erwarten die Berliner jedoch wieder ein Defizit von über 900 Millionen Euro.

Der Volkswirt diente als Beamter in Bonn seit 1974 allen Bundesfinanzministern von Hans Apel (SPD) bis Theo Waigel (CSU). Unter Waigel arbeitete Sarrazin 1990 maßgeblich die Grundzüge der deutsch-deutschen Währungsunion aus. Später arbeitete er als Staatssekretär in Rheinland-Pfalz. Aus der langen Beamtenzeit stammt der Satz: "Mir ist egal, wer unter mir Minister ist." Sarrazin ging zur Treuhand, dann zur Bahn. Dort trennte er sich 2001 im Streit mit Konzernchef Hartmut Mehdorn. Sarrazin gilt als Sturkopf, schon vor Jahren bekannte er: "Der Umgang mit mir war nicht immer einfach."

manager-magazin.de mit Material von afp und dpa

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