Dresdner Bank Erst Abfindung, nun Verzicht

Herbert Walter verzichtet auf sämtliche Bonuszahlungen für 2008. Der Ex-Chef der Dresdner Bank war Ende Januar von seinem Posten zurückgetreten. Für sein verfrühtes Ausscheiden erhielt der 55-Jährige eine Abfindung in Höhe von 3,6 Millionen Euro.

Frankfurt am Main - Nach anderen Bankern hat auch der ehemalige Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter, seinen Verzicht auf Bonuszahlungen für das Krisenjahr 2008 verkündet. Walter habe dies vor etwa zehn Tagen beschlossen und dem Aufsichtsrat mitgeteilt, sagte ein Sprecher der Bank, die inzwischen zur Commerzbank  gehört, am Donnerstag in Frankfurt. Der Bonusverzicht beinhalte auch den Drei-Jahres-Bonus.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung begründete Walter seinen Verzicht mit der Finanzkrise und deren Auswirkungen auf das Investmentbanking. In der Sparte machte die Dresdner zuletzt Milliardenverluste. Um welche Summe es bei dem Verzicht geht, ist zu einem Großteil abhängig vom Geschäftsverlauf.

Walter hatte Mitte Dezember vergangenen Jahres überraschend seinen Rücktritt zu Ende Januar bekannt gegeben. Kurz zuvor hatten Commerzbank und Allianz  vereinbart, die vollständige Übernahme der Dresdner Bank vom zweiten Halbjahr 2009 auf Anfang 2009 vorzuziehen. Den ursprünglichen Plänen zufolge hätte Walter in den Commerzbank-Vorstand einziehen sollen.

Walter hatte Mitte Januar den Vorstandsvorsitz der Dresdner, den er seit März 2003 innehatte, an Commerzbank-Chef Martin Blessing abgegeben. Eigentlich wäre der Vertrag des 55-Jährigen erst 2012 ausgelaufen. Für sein verfrühtes Ausscheiden erhielt er eine Abfindung in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Das sagte ein Sprecher der Dresdner Bank gegenüber manager-magazin.de. Die Allianz hatte Walters Vertrag im Juni 2007 bis Ende 2012 verlängert. Die Dresdner Bank war lange das Sorgenkind der Allianz und hat das Jahr 2008 vermutlich mit tiefroten Zahlen abgeschlossen.

Walter schlägt mit seinem Verzicht einen gänzlich anderen Weg ein als die Investmentbanker der Dresdner-Tochter Dresdner Kleinwort. Die wollen gegen die Dresdner Bank klagen, falls zugesagte Bonuszahlungen nicht ausgeschüttet werden sollten.

"Das muss verhindert werden"

Die Allianz hatte den Bankern von Dresdner Kleinwort im vergangenen Sommer - noch vor dem Verkauf an die Commerzbank - Bonuszahlungen von 400 Millionen Euro für 2008 versprochen. Die Commerzbank hatte die Boni später auf den Prüfstand gestellt.

In der Regierungskoalition regt sich unterdessen Widerstand gegen die Bonusforderungen der Investmentbanker. Es könne nicht sein, dass der Staat die Banken mit Steuergeld stütze und diese ihren Investmentbankern Prämien zahlten, sagte CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe). "Das muss verhindert werden, notfalls durch eine Neuformulierung des Soffin-Gesetzes." CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer nannte das Verhalten der Betroffenen skandalös.

Die Commerzbank hat insgesamt 18,2 Milliarden Euro an Staatshilfe bekommen, der Bund beteiligt sich mit gut 25 Prozent an ihr. Das Gesetz über den Bankenstabilisierungsfonds Soffin begrenzt die Gehälter der Spitzenmanager von Banken, bei denen der Staat einsteigt, auf 500.000 Euro im Jahr.

Im vergangenen Oktober hatten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Vorstandskollegen ihren Verzicht auf mehrere Millionen Euro Bonuszahlungen angekündigt. Mitten in der Debatte um das milliardenschwere staatliche Rettungspaket für die gebeutelte Finanzbranche hatte Ackermann erklärt, er wolle "ein ganz persönliches Zeichen der Solidarität setzen".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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