Swiss Re Aigrains schneller Abgang

Der Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain tritt zurück. Sein Stellvertreter Stefan Lippe übernimmt das Ruder. Der Wechsel steht für eine Abkehr vom Investmentbanking, zurück zum klassischen Geschäft der Rückversicherung. Der Konzern hat am Finanzmarkt Milliarden verloren und muss sich Kapitalhilfe von Großaktionär Warren Buffett teuer erkaufen.

Zürich - Eine Woche, nachdem der Rückversicherungskonzen Swiss Re  einen Jahresverlust und eine Kapitalerhöhung angekündigt hatte, hat Konzernchef Jacques Aigrain seinen Rücktritt erklärt. Einen Grund nannte der Konzern in seinen Angaben von Donnerstag nicht. "Nachdem das Unternehmen seine Kapitalstärke verbessert und das Risiko im Investment-Portfolio weiter reduziert hat, glaube ich, ist den Interessen der Swiss Re am besten gedient, wenn ein Wechsel an der Spitze der Gruppe stattfindet", sagte Aigrain selbst.

Zu seinem Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Stefan Lippe berufen. Der 53-jährige Chief Operating Officer gilt als altgedienter Fachmann für das klassische Rückversicherungsgeschäft. Der 53 Jahre alte Deutsche ist seit 25 Jahren bei Swiss Re. 1995 wurde er Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Gruppe, davor hatte er zehn Jahre lang der Bayerischen Rück vorgestanden. 2001 wurde er Leiter des Property & Casualty Geschäfts von Swiss Re und Mitglied der Geschäftsleitung. 2005 führte er das Underwriting der Bereiche Property & Casualty und Life & Health zusammen übernahm dessen Leitung. Im September 2008 wurde er stellvertretender Chief Executive Officer und Chief Operating Officer.

Aigrain war aus dem Investmentbanking von JP Morgan gekommen und hatte mit Swiss Re in Bereiche wie strukturierte Produkte und moderne Kreditversicherungen expandiert. Die Expansion der Swiss Re in Bereiche außerhalb des klassischen Rückversicherungsgeschäftes hatte den zweitgrößten Rückversicherer der Welt seit dem Ausbruch der Finanzkrise zu milliardenhohen Abschreibungen gezwungen. Aigrain soll seinen Nachfolger noch bis zum 18. Februar unterstützen.

In der vergangenen Woche musste die Nummer zwei der Branche erneut sechs Milliarden Franken "giftige Wertpapiere" abschreiben und frisches Kapital aufnehmen. Das Geschäft mit neuartigen Finanz- und Versicherungsprodukten hat die Schweizer seit Ausbruch der Finanzkrise neun Milliarden Franken (sechs Milliarden Euro) gekostet, wie der Konzern mitteilte. 2008 schloss der Versicherer mit einer Milliarde Franken Verlust ab.

Der Branchenprimus Münchener Rück  war vorsichtiger und kam mit kleinen Schrammen davon, und auch die kleinere Hannover Rück  wurde für ihre Zurückhaltung auf diesem Gebiet belohnt. Nun greift der legendäre US-Investor Warren Buffett der Swiss Re - wie schon vor einem Jahr - unter die Arme greifen. Über seine Gesellschaft Berkshire Hathaway  schoss er drei Milliarden Franken Kapital zu. Zwei Milliarden Franken will die Gesellschaft im Wege einer Kapitalerhöhung bei ihren Aktionären einsammeln. Für die Aktionäre haben sich seit Jahresbeginn fast neun Milliarden Franken in Luft aufgelöst.

Die Aktionäre sollen nach vier Franken im Vorjahr nur noch eine symbolische Dividende von zehn Rappen erhalten - und das auch nur, weil manche institutionelle Investoren keine Aktien halten dürfen, die keine Dividende abwerfen. Die Geschäftseinheit Financial Markets, die Geschäfte mit strukturierten und ähnlich neuartigen Finanzprodukten betrieben hatte, wird geschlossen, noch vorhandene Verpflichtungen werden in eine Abwicklungsgesellschaft ausgelagert.

Buffett lässt sich seine Hilfe gut bezahlen: Die Wandelanleihe, die Berkshire Hathaway übernimmt, ist mit 12 Prozent zu verzinsen und enthält eine Ausgleichsklausel für Verwässerungen. Agrain betonte in der vergangenen Woche, immerhin habe Swiss Re nicht beim Staat oder der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um Hilfe nachgesucht. Analysten hatten darüber spekuliert, dass der Rückversicherer ähnlich wie die Großbank UBS  zu einem solchen Schritt gezwungen sein könnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones

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