Schrempp-Prozess Cordes und Lagardere sollen aussagen

Die Entscheidung im Prozess um die angeblich verspätete Mitteilung über den Rücktritt von Ex-DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist vertagt worden. Das Gericht will noch zwei weitere Zeugen vernehmen. Befragt werden sollen der frühere Daimler-Vorstand Eckhard Cordes und der Daimler-Aufsichtsrat Arnaud Lagardere.

Stuttgart - Der Prozess um eine Schadensersatzklage von Kleinaktionären gegen Daimler  zieht sich in die Länge. Das Stuttgarter Oberlandesgericht kündigte am Freitag weitere Zeugenvernehmungen an. Richter Eberhard Stilz sagte, es sollten der frühere Mercedes-Chef Eckhard Cordes sowie das damalige Aufsichtsratsmitglied Arnaud Lagardère vernommen werden. Es müsse geklärt werden, ob sie über die Insiderregeln belehrt worden seien.

Ein Termin zur Vernehmung der beiden Zeugen müsse noch zwischen den Parteien und dem Gericht abgestimmt werden, sagte Stilz. Das Verfahren soll Ende März oder Anfang April fortgesetzt werden. Eigentlich war am (heutigen) Freitag das Urteil erwartet worden.

Hintergrund des Musterverfahrens vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ist die Schadenersatzklage von Anlegern gegen den Autobauer. Sie werfen Daimler vor, die Rücktrittsmitteilung des Topmanagers im Juli 2005 zu spät gemeldet zu haben und deshalb um den Kursgewinn gebracht worden zu sein. Nach Veröffentlichung war die Aktie des Autobauers massiv gestiegen. Die Anleger fordern mehr als fünf Millionen Euro Schadenersatz.

Gescheitert an der Aufgabe, aus Daimler, Chrysler und Mitsubishi die Welt AG zu formen, hatte Schrempp den Konzern Ende 2005 verlassen. Auch Schrempps Gattin Lydia war Anfang 2008 aus ihrem Amt gedrängt worden. Zuletzt hatte sie das Büro ihres Mannes koordiniert. Was bleibt, ist das Geld: Schrempp verdiente allein mit Aktienoptionen einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Chancen der Kläger stehen schlecht

Der letzte große Auftritt des Ex-Daimler-Chefs in Deutschland war eher unfreiwillig. Im vergangenen Oktober sagte er vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht über die Umstände seines Rücktritts aus. Die ehemalige DaimlerChrysler-Spitze hat in dem Zivilverfahren Fehler stets bestritten.

Ein erstes Urteil des OLG Stuttgart war vom Bundesgerichtshof aufgehoben worden. Das Gericht habe nicht umfassend genug Beweise erhoben und Zeugen vernommen, erklärte der BGH. Das OLG hatte im Februar 2007 im ersten Verfahren geurteilt, vor dem Beschluss des Aufsichtsrats sei der Autobauer nicht verpflichtet gewesen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass Gespräche über ein vorzeitiges Ausscheiden von Schrempp stattgefunden hätten.

Große Chancen werden den klagenden Aktionären nach aktuellem Stand der Dinge nicht beigemessen. Ende November vergangenen Jahres sagte der Vorsitzenden Richter Stilz, das Gericht neige zu der Ansicht, dass es frühestens einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung am 28. Juli 2005 eine Vorentscheidung über Schrempps Rückzug vom Vorstandsvorsitz gegeben habe.

Die Zeit vor der Sitzung des Präsidialausschusses des Aufsichtsrats am 27. Juli 2005 sei unerheblich für den Prozess, führte Stilz weiter aus. Im Präsidialausschuss war über Schrempps Rückzug und die voraussichtliche Bestellung des heutigen Konzernchefs Dieter Zetsche als Nachfolger beraten worden. Frühestens zu diesem Zeitpunkt könnte Daimler nach Darstellung des Gerichts zu einer Mitteilung an die Kapitalmärkte verpflichtet gewesen sein, was der Autobauer jedoch abstreitet.

Offiziell zum Nachfolger Schrempps wurde Zetsche erst einen Tag später in der Sitzung des kompletten Aufsichtsrats am 28. Juli gekürt. Im Anschluss wurde die Öffentlichkeit über den Führungswechsel informiert, der den Aktienkurs von Daimler um zehn Prozent hochtrieb, da die Anleger Schrempps Ausscheiden als Befreiungsschlag werteten.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und ap