Karriere Mehr Geld fürs Examen

Leistungsdruck und Zeitnot - die Examensphase bedeutet für angehende Akademiker Stress pur. Damit nicht auch noch Geldsorgen hinzukommen, informieren sich Studenten besser rechtzeitig über Finanzhilfen für die Abschlusszeit. Es muss nicht gleich ein Bankkredit sein - es gibt bessere Alternativen.

Hamburg - Eine Alternative zu Studienkrediten von der Bank sind zum Beispiel spezielle Abschlussdarlehen von den Studentischen Darlehenskassen. Die Darlehen seien zum Teil zinslos, und daher günstiger als ein gewöhnlicher Kredit, sagt Achim Meyer auf der Heyde vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Berlin.

Um ein solches Darlehen zu bekommen, müssten Studenten schriftlich erklären, dass sie in einer Notsituation sind, erklärt Peter Schink von der Darlehenskasse (Daka) Nordrhein-Westfalen. "Die Bearbeitung geht dann recht flott, innerhalb von zwei bis drei Wochen." Belege für die Bedürftigkeit wie beim Bafög müssten die Antragsteller nicht beibringen. "Allerdings brauchen sie eine Bürgschaft, das stellt viele vor ein Problem."

Auch verzichten die Kassen nach Angaben der Stiftung Warentest in Berlin auf eine Abfrage von Schufa-Daten, um die Kreditwürdigkeit zu prüfen. Allerdings sind die Bedingungen je nach Region sehr unterschiedlich. Als Abschlussphase können die letzten zwei, aber auch die letzten vier Semester gelten. Auch die Förderhöhe fällt jeweils anders aus: Sie liegt in Nordrhein-Westfalen in der Regel bei maximal 7500 Euro innerhalb von zwölf Monaten, in Berlin sind es bis zu 9000 Euro, in Bayern richtet sie sich nach dem Bafög-Bedarfssatz.

Auch ein Gang zum Bafög-Amt kann sich vor der Prüfungszeit lohnen. Das gilt auch für Bewerber, die schon einmal abgelehnt wurden: "Die Konditionen haben sich geändert und damit auch der Kreis der Förderberechtigten", sagt DSW-Generalsekretär Meyer auf der Heyde.

Bafög hat den Vorteil, dass Studenten die Hälfte des Förderbetrags vom Staat geschenkt bekommen. Die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen. Allerdings ist der Anspruch vom Einkommen der Eltern abhängig. Die Prüfung der Bedürftigkeit kann Monate dauern, daher sollte ein Antrag so früh wie möglich eingereicht werden.

Studienkredit als letztes Mittel

Für Bafög-Empfänger gibt es außerdem einen zusätzlichen Weg, eine Finanzspritze fürs Examen zu ergattern: Endet der Bafög-Anspruch vor dem Abschluss, können Studenten für zwölf Monate ein zinsgünstiges Bankdarlehen der KfW-Förderbank beantragen. Die Förderung läuft dann quasi weiter, nur müssen Studenten sie dann voll und mit Zinsen zurückzahlen. Der Vorteil ist, dass alles vom Bafög-Amt geregelt wird. Bewerber müssen also nicht selbst bei der Bank vorsprechen und etwaige Sicherheiten vorweisen.

Wer kein Bafög bekommt, kann für die Prüfungszeit bei der KfW-Bank auch einen Bildungskredit beantragen. Das Darlehen beträgt 300 Euro monatlich und wird maximal zwei Jahre lang gezahlt. Hierbei fallen zwar ebenfalls Zinsen an, dafür gibt es keine Auswahlverfahren wie bei Studienkrediten von privaten Banken. Der Bildungskredit ist also unabhängig vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern, und es sind auch keine Sicherheiten vorzulegen. Um ihn zu erhalten, müssen Studenten aber die Zwischenprüfung abgelegt haben.

Erst wenn diese Finanzierungsinstrumente ausgeschöpft sind, sollten Examenskandidaten über einen Studienkredit nachdenken. Dann müssen sie vor allem auf die Art der Zinsen achten. So sei der Zins bei einigen Instituten festgelegt, bei anderen richte er sich nach dem Marktzins, sagt Kerstin Backofen, Redakteurin der Zeitschrift "Finanztest", die Studienkredite von 64 Banken und Sparkassen getestet hat. Variable Zinsen haben den Nachteil, dass Kreditnehmer nicht genau ausrechnen können, wie viel sie am Ende zurückzahlen müssen. "Die besten Verträge sind die mit festem Zins, da kann man über die gesamte Laufzeit kalkulieren."

Wer dagegen neben der Uni jobbt, hat weniger Zeit, sich auf den Abschluss vorzubereiten. Dennoch arbeitet nach der Studie "Unicensus" der Beraterfirma Univativ in Darmstadt mehr als die Hälfte der Studenten (54 Prozent) zwischen 5 und 20 Stunden die Woche. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich dadurch der Studienabschluss verzögert", sagt Ulrich Müller vom Zentrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Auf der anderen Seite könne ein Nebenjob aber auch eine Chance sein. Dass gelte zum Beispiel, wenn sich dadurch wichtige Kontakte für das Berufsleben ergeben.

Studenten müssen also nicht nur fleißig büffeln, sondern auch genau ihre Finanzen durchrechnen, wenn ihr Abschluss ansteht. Vorschnell sollten sie sich dabei nicht für ein Abschlussdarlehen entscheiden, damit sich das Angebot später nicht zur Schuldenfalle entwickelt. Lohnen kann sich der Schritt aber durchaus, wenn er den Abschluss erleichtert oder beschleunigt. Müller rät deshalb: "Es ist eine Investition ins eigene Leben - die aber gut überlegt sein will."

Kati Borngräber, dpa

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