Moorhuhn-Prozess Hohe Haftstrafen gefordert

Im Prozess um Betrug, Bilanzfälschung und Untreue bei der Aktiengesellschaft Phenomedia hat die Staatsanwaltschaft Haftstrafen beantragt. Zwei Ex-Vorstände des Softwareunternehmens, das mit dem Moorhuhn-Spiel bekannt geworden war, sollen für viereinhalb beziehungsweise dreieinhalb Jahre in Haft.

Bochum - Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Angeklagten die Bilanzen mit Scheingeschäften künstlich aufgeblasen haben. Dabei soll ein zweistelliger Millionenschaden entstanden sein. Die Phenomedia AG war durch die Spielfigur Moorhuhn international bekanntgeworden.

Nach anfänglichem Zögern hatten die Angeklagten zuletzt doch noch umfassende Geständnisse abgelegt. Schon der Prospekt vor dem Börsengang der Phenomedia AG im Jahr 1999 soll mit falschen Angaben aufgemacht gewesen sein. Von den so angelockten privaten Anlegern sollen damals an nur einem Tag rund 40 Millionen Mark (rund 20,5 Millionen Euro) in die Unternehmenskasse geflossen sein.

Die beiden Ex-Vorstände hatten sich im Frühjahr 2002 selbst angezeigt. Zuvor sollen sie vom Aufsichtsrat des Unternehmens auf Unregelmäßigkeiten in den Büchern angesprochen worden sein. Nach Bekanntwerden der Vorgänge innerhalb des Unternehmens war der Aktienkurs jäh abgestürzt. Zahlreiche Anleger verloren ihr Geld, zahlreiche Angestellte ihren Arbeitsplatz.

Der Prozess hatte 2004 unter großem Medien- und Zuschauerandrang begonnen. Ursprünglich war gegen sechs Angeklagte verhandelt worden. Das Verfahren gegen vier von ihnen ist zwischenzeitlich mit Bewährungsstrafen beendet oder gegen Geldauflagen eingestellt worden. Bei den verbliebenen Beschuldigten handelt es sich um den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und den früheren Finanzvorstand. Das komplizierte Wirtschafts-Strafverfahren dauert unter anderem auch deshalb so lange, weil die Angeklagten mehrfach ihre Verteidiger ausgewechselt hatten.

Die Verteidiger stellten in ihren Plädoyers am Dienstag keine konkreten Anträge, sondern baten lediglich um milde Strafen. Das Urteil soll am 13. Februar gesprochen werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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