Michael Börnicke Von den Medien zur Mode

Erst hat Michael Börnicke die Geschäfte von Premiere geführt, jetzt soll der frühere Senderchef bei Escada kräftig mit anpacken. Der in Schwierigkeiten steckende Luxusmodenhersteller sieht in ihm den richtigen Finanzexperten für die anstehende Sanierung.

Frankfurt - Der frühere Premiere-Chef Michael Börnicke soll im Vorstand von Escada  die derzeit laufende Neuausrichtung der Gesellschaft begleiten, teilte Escada in der Nacht zum Dienstag mit. Der Aufsichtsrat habe Börnicke mit sofortiger Wirkung zum Vorstand bestellt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der 48-Jährige das Finanzressort im Vorstand von Markus Schürholz übernehmen. Börnicke gelte als "ausgewiesener Finanzmann", der auch über umfassende Kapitalmarkterfahrungen verfüge, begründete Escada den Schritt. Börnicke wird Escada-Chef Bruno Sälzer zur Seite gestellt, der die Marke mit neuen Produkten, schlankeren Prozessen und einer klareren Positionierung auf die Erfolgspur zurückführen will.

Börnicke hatte im September 2008 einen Posten bei Premiere  geräumt. Kurz darauf schockierte der Bezahlsender mit dem Bekanntwerden von drastisch überhöhten Abonnentenzahlen die Börsen. Im Dezember schrammte Premiere dann nur knapp an der Pleite vorbei und einigte sich kurz vor Weihnachten mit Banken und dem Großaktionär Rupert Murdoch auf eine neue Finanzierung.

Auch bei Escada warten Schwierigkeiten auf Börnicke. Die Flaute bei Luxusmode und der teure Konzernumbau hatten das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (per Ende Oktober) tiefer in die roten Zahlen gedrückt. Auch der Umsatz ging deutlich um 15,1 Prozent auf 582,5 Millionen Euro zurück. Genaue Zahlen will Escada voraussichtlich Ende Februar veröffentlichen. Mit einem Umbau der Strukturen will das Management das Unternehmen nun wieder auf Kurs bringen. Unter anderem sollen die Geschäftsprozesse automatisiert werden.

Börnickes Laufbahn begann bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München. Im Jahr 1992 wechselte er in die Medienindustrie. Als kaufmännischer Direktor von ProSiebenSat1 war er maßgeblich am Börsengang der Gesellschaft 1997 beteiligt. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied der Geschäftsführung bei Premiere. Im März 2005 verantwortete er als Finanzvorstand den Premiere-Börsengang. Anfang September 2007 übernahm er den Chefposten bei dem Bezahlsender von seinem Vorgänger Georg Kofler. Nur etwa ein Jahr später räumte er seinen Stuhl wieder, neuer Premiere-Chef wurde der von Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch entsandte Mark Williams.

Manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa-afx und ddp

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